Tagebuchblatt 1

 hoffnung ist ein weiter, unstiller, tiefer ozean in meinem geist – oder ist es nur der verstand?! ich bin der schiffbrüchige in diesem ozean, umgeben von einem launischen himmel und umfunkelt von den gelben wolfsaugen der sterne – die polarnacht in meinem innersten treibt mich in die kälte unserer zeit. es gibt kein zurück. es muss weitergemacht werden wie bisher, es muss die form gewahrt werden, wie bisher – ich bin so satt, so stark übersättigt mit regeln, formeln, devisen, motti, mit thesen und direktiven, ich wünschte, ich wäre mit diesem schiff, auf dem ich war, untergegangen. aber so ist es nun mal mit schiffbrüchigen, auch sie müssen aushalten bis zum schluss – die gelegenheit wird bald kommen.  

eines weiss ich: die engel werden nicht kommen, sie bleiben wie immer fern, so wie ich die gefahr anziehe, so glänzen sie mit abwesenheit. aber hat das nicht jeder ertrinkende passagier auf der titanic von sich behauptet?!

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