Kurz die Augen schliessen

justitia auf dem blieskasteler rathaus trägt stolz ihre waage zu markte – ist es schon so weit? Gibt es zuviele anwaelte in der stadt? mitnichten, denke ich.
es gibt hier nur zu viele tauben, die alles verschmutzen, was noch niet- & nagelfest ist. nur die figur der justitia nicht, die steht ehern mit sauberem, sandsteinernem gesicht auf dem giebel & schaut ins leere.
ich moechte keine vergleiche zu lebenden oder realen personen ziehen, bezogen auf die letzte bemerkung.
es bleibt eine kleine hoffnung in der stadt: justitia ist vorhanden, aber verdient sie auch ihren namen, ihre bezeichnung!? sie ist
verbundenen auges, die gute dame, die blieskasteler ausfuehrung jedoch nicht, es gibt doch noch gerechtigkeit, & das seit über zweihundert jahren! – niemand haelt sie auf, niemand laesst sie stuerzen, fallen, auf den asphalt vorm rathaus, damit sie in tausend stuecke zerbricht. die dame kann tun & lassen,
was sie will.
ich werde ihr eine augenbinde hochreichen, vielleicht mag sie sie annehmen. dann waere sie als die blinde justitia wieder heimisch hier, sie koennte ein vorbild sein fuer all die hellsichtigen damen & herren unterm dach des riesigen hauses der stadt.
vielleicht sind wir buerger allesamt erblindet, weil wir nicht genau hinschauen & die dame nicht als sehende erkennen. es ist bestimmt zu spaet, als dass sie wieder die altgewohnte gestalt einnimmt, wie wir sie aus der historie kennen, wann lernen wir das sehen, verdammt, wann lernen wir aufrecht zu gehen, erhobenen hauptes, wer nicht zu boden schaut, sondern in den himmel & in die augen seiner mitmenschen, der wird auch zu sich finden.
 ich meine zu wissen, warum sie sehend ist: sie hat sich nur deshalb die binde abgerissen, weil sie uns die schuld gibt, dass sie hier stehen muss – so wollte es der bildhauer haben, dass wir so denken.  
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