Diary_5 – 02. August 2010

1_ …. nimmermehr muede sein, nimmermehr traurig – es waere schoen, ein gluecklicher mensch zu sein, warum modert´s nur so stark um mich her, sind es meine fragen an das leben, die hier verwesen sollen, weil ich´s nicht schaffe, das leben selbst zu entraetseln? die tueren stehen auf, sogar die fenster, frische luft stroemt massenweise, nur mich erreicht nichts davon – ausser muedigkeit & schlafwille, der nicht aufhoert. das leben denkt nicht an mich, wann habe ich das wohl begriffen? 1967? oder spaeter? dass dieser satz, ob damals erfunden oder soeben, voelliger bloedsinn ist, muss wohl jedem einleuchten, der ein bisschen verstand sein eigen nennt.
weshalb weicht diese muedigkeit nicht, weshalb nur bin ich traurig wie noch nie, obwohl ich doch jemanden fand, der das leben mit mir teilen will – zwar auf verschiedenen ebenen, aber immerhin ……
letzte worte, geschriebene todesweihe, mit schwarzer tinte, melancholien der niederschrift, assoziationen in schwarzweiss, kreuze, halbmonde und yinyang-windspiele – leicht gelangweilte naehe zum sterben ist das alles nicht. eher spiel mit dem dasein, kein kriegsspiel, keine politik, es ist ein unbekanntes spiel, etwas, das nicht aufhoeren kann.
menschendasein ist kein universum, menschenschicksale sind keine spielereien – wir sind so mittendrin im geschehen, meinen aber, wir seien der mittelpunkt – was niemals der fall war.  gaebe es goetter, sie wuerden jetzt in lachen ausbrechen. ueberlassen wir das getrost den menschen.
nie wieder muedigkteit, nie wieder melancholie – bei letzterem bin ich mir nicht sicher, doch die muedigkeit sollte ruhig weichen – wär´ ein guter vorsatz fuer den monat august im jahre 2010. & somit möge der monat beginnen.

2_  unglueck & pech sollen mir folgen mein leben lang – ein schoener vorsatz, leider ist er nicht von mir. immer dann, wenn der august beginnt, besser gesagt ist es der 4. tag dieses monats, denke ich an den morgen des 4. augusts 1969, als ich mit meinem fahrrad zum ersten tag meiner lehrzeit aufbrach. es war eine strecke von circa 5 kilometern, ich wusste nichts darueber, was mich erwartete, ich war noch ganz schueler & noch keine fuenfzehn jahre alt – noch keine drei wochen vorher wurde ich erfolgreich aus der hauptschule entlassen, mit grossem brimborium, unser ehemaliger hauptschullehrer entliess uns in die harte arbeitswelt mit einem zeugnis, das damals noch ein bisschen was galt.
ich wollte geborgen bleiben im gewohnten, jedenfalls fuer eine kurze zeit noch, man entliess mich daraus ohne gnade – ich wurde ins unbekannte gestossen, ein jahr spaeter fiel ich in ungnade, machte mich unbeliebt in familie & firma, es ist alles wohl bekannt – sicher verwahrt in den annalen meines ungluecks, & meine unsicherheit damals wie heute spiegelt sich in meinem selbstmitleid wider. diese graue zeit hat sich tief in mein gedaechtnis gegraben. seitdem stehe ich auf kriegsfuss mit allen ernannten &/oder selbsternannten unterdrueckern dieser welt, dieses landes, dieses landstrichs, dieser stadt & dieser staette, in vergangenheit & gegenwart.

3_ … soll dies der ursprung meiner melancholien sein? es gab sicher noch andere ursachen, doch diese war in der tat einschneidend. ich lernte in diesen ersten tagen meiner lehrzeit den zynismus erwachsener kennen, die gemeinheiten, die sich chefs ihren mitarbeitern gegenueber erlauben, weil sie sich selbst als höherstehend einstufen auf grund ihrer „besser“ gestellten position/en – ich danke auch sehr! –  lernte die herablassende haltung weiblicher kolleginnen kennen, die in mir nur das buebchen sahen, keinerlei vertrauen in mich setzten, weil ich nicht so funktionierte wie sie, lernte die perfidie aelterer lehrlinge kennen, die die erklaerten lieblinge des chefehepaares waren – einerseits die bittere behandlung hier, fuer mich, andererseits die suesse wonne des anderen bevorteilten erfahrend – wie schoen es ist, einaeugig zu sein ohne zu stolpern!
unausloeschbar sind diese gegensaetze – wie auch, sie aehneln  & wiederholen sich bis zum heutigen tag. eine seltsame auszeichnung, fuerwahr. sie wiederholen sich auch im privaten. ausgesetzt auf den bergen des hasses kann ich mich ueber solch „schoene aussichten“ nicht beklagen.
4_  schwamm drueber!? ich will nichts vergessen, weil ich daraus lernen moechte. das sage ich ohne bitterkeit.

Advertisements