Wenn Robespierre mein Lehrer wär

Meine grossen Vorbilder Willy Brandt und Carlo Schmid sind lange tot – seitdem gibt’s keine Vorbilder mehr für mich. Schröder und Joschka Fischer haben mich dermassen enttäuscht, dass ich am liebsten in den Boden versinken möchte, weil ich ihnen damals, 1998 bis 2002, nachgelaufen bin. Und Lafontaine, nun ja, einstmals als saarländische Hoffnung in Berlin gerühmt und angebetet, ist aussen vor.

Also greife ich resignierend auf die Vergangenheit zurück. Als es in Frankreich und dem übrigen Europa noch keine Demokratien gab, wie wir sie heute kennen – das 18. Jahrhundert war eine Ära der Aufklärung, so hat es in den Geschichtsbüchern gestanden, und der Höhepunkt dieser Ära war sicherlich die Französische Revolution.
Und was mich am meisten an ihr fasziniert ist die Zeit der Schreckensherrschaft, dem so genannten Terreur, er dauerte von Juni 1793 bis Juli 1794 – in dieser Zeit fielen mehr Köpfe unter der Gilloutine als man Pflastersteine auf den pariser Strassen zählen konnte. Könnte man dies nicht auch in unsere Zeiten übertragen?!

Aber – Wir haben keine Pflastersteine mehr. Und unterm Pflaster liegt auch nicht der Strand, wie uns die 68iger Damen und Herren einst weismachen wollten.

Aber träumen darf ich doch, oder!?

Wenn Robespierre mein Lehrer wär´, so wäre ich sein gelehriger Schüler – Ich wäre der eifrigste und ehrgeizigste Eleve im Fach Köpfe-Abschlagen, sässe in der ersten Reihe und würde den Lehrer mit meinen notorischen Vorschlägen nerven bis auf´s – nein, nicht bis auf´s Fallbeil – aber bis auf´s Blut.

Stellt euch nur mal vor, die ganzen Großkopfeten der vergangenen 20 Jahre würden kopflos, im blutigen Armesünder-Hemd, in eine Grube mit ungelöschtem Kalk geworfen werden, damit ihre Körper schnellstmöglich vergingen – Es sollte keine Spur bleiben von ihnen, damit man nie Denkmäler über ihren Gräbern aufstellen könnte.

Und welches wären meine Getreuen, die Helfershelfer, die Terreur-Mitarbeiter, der Gilloutine-Staff?! Die Henkersmahlzeit-Köche, all die vielen willigen Gleichmacher, die plötzlich, wie aus dem Boden aufgestiegen, neben mir stünden, säbel- und gewehreschwingend?! Es wären die Hartz-IVer, die Obdachlosen, die Arbeitslosen, die Mordverdächtigen, die Irren, die Zukurzgekommenen, die Mädchen mit den Schwefelhölzern, die Ketzer, die Indianer, die Schwarzafrikaner und die Asiaten, die rothaarigen Frauen und die Bundschuhfahnenträger –

Die RAF, wenn es sie noch gäbe, oder die Taliban, hätten nichts mehr zu tun, wenn Robespierre mein Lehrer wär´.

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