Tagebuchblatt 7_12.08.2010

1_eine „wundervolle“ scheussliche nacht verbracht, mit schweissausbruechen, kopfschmerz & magenverstimmung aufgewacht – eigentlich nicht auf-gewacht, sondern auf-geschlagen wie ein rohes ei, so begann der morgen (wieder dieser jammerlappen!, werden meine leser jetzt sagen, aber ich erzaehle bloss, wie es war). manchmal haben die naechte tausend augen, diese jedenfalls nicht.
wie es sich anfuehlt, wenn alles verloren ist? so aehnlich wie oben, nur mit dem bewusstsein, wach & am leben zu sein. zukunft ist nicht mehr, sie ist gestorben, ebenso die alte luegnerin HOFFNUNG – eine mittlerweile abgedroschene metapher, die ich einst zu einer arge-sachbearbeiterin sagte.
was jetzt noch zaehlt? muss ich erst drueber nachdenken, habe keine vorstellungen.
ich fluechte mich in meine alten genres – beat generation, jack kerouac, allen ginsberg usw. die haben wenigstens gelebt, wie sie es wollten, auch mit geldsorgen & armut gekoppelt an den alptraum, der sich amerika & – in meinem fall – deutschland nennt. anmassung von mir!? sicherlich, anmassung von mir, mich mit den beat-autoren auf eine stufe zu stellen. aber wenn mir danach ist, sie mal wieder ins gedaechtnis zu rufen!? jetzt weiss ich zumindest, was es heisst, vogelfrei zu sein, in einer gesellschaft zu leben, die mich nicht braucht & mirnichtsdirnichts auf den muell ihrer selbst wirft. ein wunderbarer kreislauf, der nie endet. das wunder des lebens, der sinn allen seins. ich danke auch recht schoen (müsste ich das nicht an die ARGE schicken, mit ´nem schoenen gruss von mir?).

2_im november soll ich mich bei der ARGE melden – vier wochen vor dem arbeitsvertragsende. damit ich meine scherflein ab dezember fuer ein halbes jahr bekommen kann. die ARGE ist ein gefaengnis, aber ohne zellen, die angestellten, die dort arbeiten, dieses verbürokrateten, wandelnden weihrauchfahnen, sind meine vier zellenwaende – nix gegen die leutchen, aber so sieht es nun mal aus fuer mich, heute, morgen, alle Tage. der tag hat vierundzwanzig stunden, wieviele stunden hat ein gefaengnis?

3_noch bin ich nicht im gefaengnis drin, andere haben schon bessere bluesgeschichten darueber geschrieben, ich lasse es lieber sein – den ARGE-blues hat noch niemand geschrieben. kann man daraus schliessen, dass die ARGE  schlimmer als gefangnisaufenthalt ist??????
dies ist sehr sehr subjektiv, jeder empfindet anders, aber ich bin nicht jeder & empfinde nun einmal so & nicht anders.

4_meine kollegen ruehren mich fast zu traenen – so manch einer nimmt anteil & manch einer kocht ueber vor wut, weil meine situation so verzweifelt erscheint. es adelt sie. & das habe ich auch einem kollegen gestern gesagt. ein kleiner trost & der beweis, dass ich hier nicht ganz ungelitten bin. vielleicht geschieht auch noch ein wunder. wir sollten wieder mehr glauben (auweia, man merkt, dass sich meine laune bessert, es satirt beinahe wieder, weiter so, sutaio, get yer rocks off!).
—– & schon ist wieder alles verschwunden, die alte lust am fabulieren & dampfablassen, this land is my land, but it isn´t my home any more. this land is my land, but my home´s beyond the sea shore (frei nach woody guthrie, gott hab ihn selig!).

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