Tagebuchblatt 8_16.08.2010 – Gefrorener Sommer

Dies ist der kälteste Sommer seit der letzten Eiszeit. Jedenfalls in meinem Umkreis von einem bis eineinhalb Quadratmetern. Nach der Trauer kommt die Wut, bekanntermaßen – bei mir kommt sie immer ein bisschen später, aber sie ist jetzt da. Meine Stelle ist futsch, mir winkt Hartz IV, es ist schrecklich, nur daran zu denken. Es ist die Einsamkeit, die mich erwartet. Kennt die jemand? Die Blindheit, die mich umgibt. Sieht die noch jemand  ausser mir?
Jetzt spüre ich meine Unfähigkeit, meine Ohnmacht, die Hoffnungslosigkeit wieder herankriechen wie Ungeziefer. Masken umgeben mich, Masken, hinter denen sich der blanke Hohn verbirgt. Auf keinen Fall die wahren Gesichter & Absichten der Verantwortlichen, die kennt keiner, die sind in Zahlen, Summen & Bankguthaben versteckt.
Ich habe es voraussehen können, es gab Warnzeichen genug, aber es gab auch immer den Zuspruch, die Hoffnung nicht zu verlieren, obwohl ich weiss, was von solchen „Zusprüchen“ zu halten ist. Es ist die reine Hölle. Wenn du nicht hoffst, dann bist du als Pessimist & Schwarzseher, als Negativling, angesehen. & Negatives gilt nicht in unserer Gesellschaftsrunde – Es soll immer positiv gedacht werden. Sagen Sie das mal einem Hartz IVer, der an der Tafel oder vor der ARGE Schlange stehen muss. Mir schnürt sich bei dem Gedanken die Luft ab.

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