Mein Leben in Blieskastel (Gastbeitrag)

 Gastbeitrag von Rudolf Schwarz, Blieskastel –
(er ist Dichter & Musiker ohne Heimat, wie er sagt, viel zu viel & viel zu oft verkannt worden & deshalb freiwillig im unbekannten Teil des Bliestals verharrend, im Untergrund – doch über dieses Thema wird  er/darf er einen weiteren Artikel an dieser Stelle publizieren. Viel Spass bei der untenstehenden Lektüre.) – Anmerkung von phs.

Meine Zeit von 04-2008 bis 11-2008 + 12-2008 bis 11-2010 ——–
Die Blies ist nicht weit, das Flüsschen, das dieses Tal geschaffen hat, ausgewaschen aus Meeresböden und zu Sand gewordenen Gebirgen, windet sich in seinem Bett, als wär´s ihm peinlich, hier zu sein & die Gegend zu bewässern. Doch ein Fluss ist kein Lebewesen & kann deshalb nicht reflektieren.
Also muss ich es tun.
Über mein Leben in Blieskastel in den letzten drei Jahren gibt es nicht viel zu sagen. Diese Zeit unterteile ich in zwei Perioden, wenn es nun mal so sein soll, in eine so genannte „Probe“-Zeit & in die Periode des „Dazugehörens“ – wobei letzteres eine Scheinwelt darstellt.
Die Probezeit (von mir so genannt, weil billig, trotzdem voll einsatzfähig, wenn nur die blöden 6-Stunden-Tage nicht gewesen wären!):

Als ein liegengebliebener typischer Hartz-IVer des Jahres 2008: arbeitslos, arm geboren, über 50, langhaarig, geistig minderbemittelt, langsam, faul, verfressen, resigniert, arbeitsscheu, erfolglos, spurlos, charakterlos, arm geblieben, naiv, bösartig, feige, unbeholfen, egoistisch, kinderlos, frauenlos, erbarmungslos,  bekomme ich endlich (?) eine 1-Euro-Stelle bei der Stadtverwaltung.
Im heissen, schwülwarmen Sommer von 2008 ist es ein schweisstreibendes Unterfangen, für das Bauamt tätig zu sein, zudem noch eine ungezähmte Bande von drei jugendlichen Praktikanten um sich zu haben, die vor nichts Respekt hat – Dennoch, so viel gelacht wie mit den drei Jungs habe ich selten hier in Blieskastel. Dabei hätte ich gut & gerne  ihr Grossvater sein können – Mit der Zeit färbte ihr Jargon auf mich ab, ebenso ihre Haltung, die Respektlosigkeit, so dass ich mich in manchen Fällen wieder 30 Jahre jünger fühlte. Fürwahr eine wertvolle Erfahrung für einen über 50jährigen. Diese entwürdigende Haltung werde ich zukünftig beibehalten.
Jetzt, im Oktober 2010 & in der Periode 2, da meine zweijährige Mitarbeit im Bauamt bald zu Ende geht, habe ich keinerlei Fazit zu ziehen. Es handelt sich hierbei nur um eine Ankündigung eines längeren Artikels über meine neue Zeit bei der ARGE Blieskastel, was ich hiermit tue. Ein Titel oder ein Konzept stehen noch nicht fest, aber bei einer ARGE-Angelegenheit braucht es kein Konzept, da braucht es nur Ermutigung.
& dies sind die grossen Fragen in dieser neo-bleiernen Zeit, erhält man Ermutigung, hat man genügend Mut, zahlen sie sich aus oder wird man noch dafür bestraft!? Ich werde es genauestens beobachten & darüber berichten. & das Feigenblatt, das bisher vor meinem Mund & meiner Scham gehangen hat, werde ich wegwerfen, so pathetisch das nun klingen mag! Aber, ein Trost: aus dem Paradies dieser unserer paradiesischen Gesellschaft bin ich schon vorher rausgeschmissen worden.
In einem muss ich meinen bald ehemaligen Dienstherren Recht geben: sie haben diese Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist – & zu dem, was sie einst war. sie verändern sie & bleiben sich selber allzeit treu. ich war gerne ein Bürger dieser alten, hübschen Barockstadt, obschon es nicht gut wäre, sich in diese Zeit zurückzusehnen, geschweige denn, wieder anzunähern. Die Zeiten der Leibeigenschaft sind vorbei. Jetzt kommt endlich mit den Hartz-IV-Gesetzen eine neue Ära auf.
Ich finde es überaus spannend, in unserer heutigen  Zeit zu leben. Vielleicht gelingt es mir, ein paar Parallelen zwischen der alten Leibeigenschaft & der Hartz-IV-Eigenschaft in meinen zukünftigen Artikeln  zu ziehen.
 
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