Wolf In The City, Part 5

mein ich als stadtwolf ist ein epikureer. im christlichen sinne ist ein epikureer ein genussmensch – mit vorsicht zu geniessen, meistens abzulehnen. denn wer richtig geniessen kann ist mit sicherheit ein teufel.

ich bin nicht christlich, ihr christen. ich liebe das wolf-sein. ihr liebt nicht das mensch-sein, darin unterscheiden wir uns gewaltig. wolf & mensch gehen sich naturgemaess aus dem weg. nun gut, ich mache eine ausnahme, ich suche die menschen auf & will bei ihnen verweilen, obwohl es meiner natur gegen den strich geht. menschen tun immer das richtige. aber manchmal werden sie auch zur beute, da hilft keine rechthaberei, auch wenn sie noch so schnell rennen. aber hier in der stadt & ihrer umgebung braucht niemand angst vor mir zu haben, ich suche nur, mache besuche & hole mir, was ich brauche, manchmal, wenn es essen im ueberfluss gibt, manchmal, wenn mir der magen schon wochenlang knurrt.
als stadtwolf finde ich immer einen weg.
meine vertrauten strassen sind wege & pfade, die nur ich kenne, sie gehoeren zu meinem revier. mein revier ist die angst, der rueckzug, die einsamkeit in der stadt, die ignoranz & die egoistischen ideale sind allzu menschlich, als dass ich sie annehmen koennte. ich habe andere plaene.
ich geniesse es, in den daemmerigen abendstunden zu streunen, ich geniesse es, nachts den letzten nachtschwärmern zuzuhoeren, die halb- oder volltrunken nach hause wanken & ihrer liebsten das blaue vom himmel versprechen – uns woelfen verspricht niemand irgend etwas, wir sollen gefaelligst leer ausgehen. warum sollen wir leer ausgehen, wenn andere sich volllaufen lassen!? weil wir raubtiere sind? das sind die menschen auch, viel schlimmere als wir es sind. menschen haben vor nichts respekt, wir schon, wir behandeln unsere beute respektvoll & nippen nur von der weinflasche, wo andere sie auf einen zug austrinken. das hat nichts mit etikette zu tun, es gehoert zur ueberlebensstragie.
& wir woelfe sind nomadisch & sozial, was man von euch menschen nicht behaupten kann. ich glaube, viele von euch werden mir recht geben, insgeheim. nur duerfen wir nicht recht bekommen, weil wir tiere sind. neben den sachen sind wir gleichberechtigt, nur neben menschen sind wir es nicht.
dafuer werden wir euch woelfisch in die augen blicken, & ihr werdet vor angst alles von euch werfen, was ihr bei euch habt. auch eine art ueberlebensstrategie von uns, mit der angst vor woelfen ist gut auskommen fuer uns.
Advertisements