Eulenspiegel unterwegs

Der baecker ist tot, dem metzger ist schlecht, die bild-zeitung ist ausverkauft – das kann nur ein Montag in blieskastel sein. Das nkd hat wie immer nur ramsch anzubieten, der parkplatz ist gaehnend leer um acht uhr morgens, & das platanenlaub raschelt verdaechtig wie eichenlaub, trocken, aber humorlos.
wie schoen dagegen, wenn es neblig ist, nebel ist das leichentuch der stadt, er beklemmt alles & jeden, aber es sind keine frierende unterwegs, nicht einmal hunde, die ihre herrchen suchen. Im oktober noch nicht, & im november kommt die post noch immer puenktlich. Panama ist weit entfernt, der mond noch weiter, & unsere buergermeisterin weilt ausser landes, das heisst, ausserhalb unseres wichtigen, riesigen bundeslandes.

Es ist montag, da faengt zwar alle welt an zu arbeiten, aber die stadt ist noch hochgeschlossen wie das kleid einer karmeliternonne. Der kreisel vor dem rathaus_3 waechst allmaehlich in die runde, die schwarze asphaltdecke liegt wie ein altmodischer ueberdimensionierter plattenteller-turntable im ehemaligen vogelschutzgebiet, bald pfeifen hier keine voegel mehr, sondern nur noch autoreifen in den kurven, die bahnhofstrasse ist eine allee ohne zuege & baeume, das wird sich in ein, zwei jahren aendern, wenn die plaene dann noch stimmen sollten. Denn diese stadt wird schoener werden, nicht nur dienstags oder mittwochs, nein, auch montags, wenn die kirchenglocken schweigen. Vielleicht das schoenste geraeusch in der stadt, wenn man nicht katholisch, evangelisch, muslimisch, buddhistisch oder juedisch ist.
Aber dies alles sind nur beginne, beginne, die nicht enden oder sich aendern, sich nicht aendern wollen – solcherart aenderungen bemerkt man hier noch nicht auf den strassen der stadt, die vorhandenen aenderungswuensche liegen breitgetreten auf den gehsteigen, welkes laub aus zertretenen hoffnungen der bewohner dieser haeuserzeilen.

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