Wolf In The City, Part 7

ein freitag, ein montag, dienstag, mittwoch, & ein donnerstag – ich kann nicht behaupten, dass sich in diesen letzten fuenf tagen meines arbeitsverhaeltnisses nichts bewegen wuerde. ich gehe naemlich jeden morgen zu fuss zur arbeit, so, wie ich vor ueber zwei jahren angefangen habe. & so, wie es begann, wird es auch aufhoeren, ganz klein & jaemmerlich, kurz davor, sich in die hosen zu machen – schoene neue welt, die sich im beginnenden alter nicht mehr viel aendert. nur dass es jetzt noch leichter bergab geht. fuer mich als grau gewordener stadtwolf kein grund zum verzweifeln. jedoch, zweifel habe ich ueber & uebergenug. die bleiben mir stets auf meiner faehrte, obschon sie keine gefaehrten sind.
spreche ich von aeusserlichkeiten – die bliesbruecke veraendert sich allenthalben, es geht voran mit der rechten fahrspur der bruecke, in dieser beginnenden freitagsdaemmerung, morgens um halb acht, kann ich nicht viel erkennen, das wasser ist tiefschwarz, & der dichte nebel tut ein uebriges. die baustelle oberhalb des wassers ist von einem einzigen grossen scheinwerfer beleuchtet – ich sehe ein paar arbeiter in der kaelte stehen, ihre gelben helme ragen vage aus dem grau heraus, wie fremdkoerper in einer wildgearteten umgebung. richtig verstohlen trottend komme ich mir vor, als ich die bruecke ueberquere, diese gedanken habe ich ueberhaupt nicht, wenn ich mit meinem auto den selben weg einschlage – alte bilder tauchen schemenhaft vor meinem inneren auge wieder auf, bilder vom winter 2008, als ich aeusserlich ruhig & gefasst jeden morgen meinen weg zur arbeit einschlug, zufrieden, dass ich manchmal ein paar kilogramm weniger wog in diesen tagen, unzufrieden mit der gegenwart & meiner voellig raetselhaften zukunft. nun gut, die gegenwart ist noch immer nicht befriedigend, aber wenigstens weiss ich, was mich zukuenftig erwartet …..
fast immer, wenn eine kleine episode oder „epoche“ in meinem dasein sich dem ende zuneigte, kam ich ins gruebeln & wurde sentimental. diesmal nicht. liegt es an der jahreszeit oder daran, dass sich das ganze wiederholt, was ich zur zeit durchmache, aber ich will dieses mal den kopf nicht haengen lassen oder in den sand stecken. dieses mal wird meine kreativitaet noch staerker als sonst dabei sein, neue wege & zuversichten zu finden.

einen guten ruf als stadtwolf geniesse ich keineswegs, ich bin nicht traurig darueber. ich werde diesen schlechten ruf sogar pflegen, so, wie ich es immer gehalten habe seit den achtziger jahren. frei nach heinrich heine, der geschrieben hat: ich moechte an jedem morgen aufwachen & gewiss sein, dass meine feinde an einem der baeume da draussen haengen ….. wahrlich ein beruhigender gedanke. doch gibt es ueberhaupt so viele baeume im stadtgebiet blieskastels!?

als reissender wolf haette ich sicherlich keine bedenken, es meinen feinden heimzuzahlen. ich bin in die jahre gekommen, mein zorn & mein heisshunger sind nicht mehr so stark wie vor 25 jahren – die natur erledigt vieles auf ihre art, auch bei den woelfen, glaubt mir das.

daneben bin ich stark versucht zu sagen: ja, meine damen & herren, ich habe einen traum fuer die naechste zeit: ich moechte als hyaene wiedergeboren werden & durch eine leere stadt streunen & dabei die letzten ueberreste seiner menschlichen & tierischen bewohner auffressen. & diesen traum verstehe ich nicht als alptraum!!!!!!

 

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