Wolf In The City, Part 8 – Woelfe & Jaeger

jetzt patrouillieren sie wieder, die apostel des tierischen ablebens, die jaeger im gruenen rock, sie beziehen posten an fast jeder strassenecke & lauern mir auf, weil ich ein pelztraeger bin – den pelz kann ich vor ihnen noch einigermassen verstecken, doch meine gelbstichigen augen & meine grosse schnauze kennt fast jeder hier in der stadt. ich gehe ihnen nur zu gerne aus dem weg, aber sie kennen mich zu gut, rufen mir wueste worte zu, eine art aufforderung zu einem ungleichen kampf auf leben & tod, den kampf, den ich auf den tod nicht ausstehen kann. sie halten ihre geladenen buechsen mit den laeufen hoch in die luft, den finger am abzug, sie grinsen mir schamlos ins gesicht & freuen sich diebisch, mir ein paar kugeln in den kopf zu jagen. wenn sie ihn denn treffen werden ……. sie ihrerseits freuen sich, bald im besitz meines schoenen winterfelles zu sein, mit dem sie ihre wohnung ausschmuecken & ihre eitelkeit befriedigen koennen. sie haben nicht nur die jagd, sie haben auch den erfolg gepachtet – & warten darauf, dass er sich einstellt. es sind jaeger, nicht aus leidenschaft, sondern aus einem enormen erfolgsdruck heraus – sie muessen mit einer bestimmten strecke an jagdbaren tieren aufwarten koennen, sonst ist es aus mit ihrer karriere in wirtschaft, industrie & wald.
woelfe haben keine karriere zu machen. wir brauchen nur wolf zu sein. ein woelfisches gemuet ist unsozial & damit befaehigt genug für einen hinauswurf aus dieser gesellschaft. ich frage mich nur, ob jaeger auch dieser edlen gesellschaft angehoeren, oder dass sie doch ihre eigene bilden, es waere ihnen nicht zu verdenken. denn ist nicht ihr gruener rock ein statussymbol der besonderen art!?

sie sind wie kleine welpen. so leicht zu durchschauen, ich muss jedes mal ein kichern unterdruecken, wenn ich sie breitbeinig & männlich stark herumlaufen sehe, die flinte als ihr statussymbol, dazu den etwas angejahrten mercedes in silbergrau auf dem staedtischen marktplatz, damit ihn alle welt bewundern kann. ach, es gibt so viele wunderbare gelegenheiten, sich ihrer laecherlichkeit bewusst zu werden & vergnueglich angedeihen zu lassen, ich kann es kaum beschreiben.
einmal mischte ich mich, als englaender mit cut & grauem zylinder verkleidet, an einem faschingsball unter dieses voelkchen der stadt. & da ich wirkte wie aus einem roman aus dem 19. jahrhundert fiel ich nicht weiter auf, meinen backenbart hatte ich entsprechend gekaemmt, er passte ideal zu meiner verkleidung. & ich tanzte mit allen damen der anwesenden honoratioren der stadt, sie umschwaermten mich geradezu, weil ich in der tat ein guter taenzer bin, vor allem bei den altmodischen walzern – ihre maenner wurden stellenweise eifersuechtig auf mich, weil die damen so begeistert waren von meinen vorzueglichen manieren & gepflogenheiten.
& bei der demaskierung blieb ich verschwunden – schnell hatte ich mich auf der herrentoilette meines kostuems entledigt & ging wie gewohnt als nackter, nackter wolf, das kostuem, das mir am besten steht.
niemand erkannte mich.
etliche der damen, mit denen ich getanzt hatte, vermissten mich bei der demaskierung. sie standen in der tat auf mich mit meinem altmodischen, englischen aussehen. als wolf, & ich bin recht wohlgeraten als vertreter dieser fleischfresserkaste, nahm mich niemand von ihnen vorher zur kenntnis. entspricht man nicht ihren vorhersehbaren schoenheitsidealen, ist man ein nobody. sie hatten jedenfalls nur augen fuer fraecke & zylinder. & von meinen jaegern konnte ich keinen einzigen erblicken an diesem abend, sie blieben verschwunden, den grund dafuer weiss ich bis heute nicht. es waren nur wichtige & wichtigste herrschaften der stadt vertreten, die blutordenvertreter blieben aussen vor.
mir war´s recht. sich als wolf, wenn auch verkleidet, in diese gefaehrlichen hoehlen des hasses & der ausrottung zu wagen, war sehr kuehn von mir gedacht. hinterher wunderte ich mich selbst ueber meine courage. aber, so hoerte ich, die damen sprachen noch wochenlang von diesem gutaussehenden englischen taenzer, der sie so ueberaus galant ueber das parkett gefuehrt hatte. dabei hatte ich lediglich meinen wolfstrab zurueckgehalten, um die damen so richtig auf trab zu bringen. das scheint mir ja tatsaechlich gelungen zu sein.

nun hat mich die wirklichkeit wieder – manchmal lauern mir diese tueckischen gruenen herrschaften so hinterhaeltig auf, dass sie mich waehrend meines besuches in der stadt ueberraschen & sogar verletzen koennen, im letzten jahr mindestens fuenf mal. ich habe die attacken ueberlebt, aber zwei narben blieben von meinen verwundungen zurueck, die ich heute noch spuere. sie werden nicht die letzten sein.

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