Wolf In The City, Part 9

 

Der blieskasteler Weihnachtsmarkt aus wölfischer Sicht

ho ho ho, princess lupa & meine unbedeutende, graubehaarte wölfischkeit waren auf dem alljaehrlichen weihnachtsmarkt am gestrigen sonntag, in stroemendem schneeregen, der meinem pelz nicht viel anhaben konnte, wir streunten durch die innenstadt & schnueffelten an den essensresten herum, ohne sie zu beruehren, meiner woelfin waren diese reste heute nicht gut genug zum verzehren. Ich kann sie gut verstehen, zwar mag sie die menschen, aber sie moechte nur umgang mit ganz bes,timmten leuten, schliesslich ist sie adlig & eine prinzessin, die gepflegten umgang gewohnt ist.

Weshalb sie mich mag, ist mir eigentlich ein raetsel, ich bin genau das gegenteil von gepflegtheit, ich bin ein strassenwolf, ein stueck treibholz am rande der steppe, ich bin so halb im einundzwanzigsten jahrhundert daheim, &, das kann ich mit fug & recht behaupten, dies bildet meine einzige art von heimat, in der ich mich wohlfuehle.

Princess lupa reibt sich sachte an mir, sie mag meine beruehrung mit der schnauze, sie laechelt mit den ohren & neckt mich mit ihren vorderpfoten, gutes maedchen, will ich ihr zufluestern, aber die vorweihnachtlich dargebrachte blasmusik lassen meinen gefluesterten ton klaeglich untergehen.

Ich begnuege mich mit augenzwinkern, was bei ihr immer noch gut ankommt – ihr pelz wird auch schon langsam grauer, aber das macht nichts, sie ist immer noch attraktiv & wird es noch lange bleiben. Schade ist, sie friert in dem nassen schnee, denn ist sie nicht gewohnt, normalerweise verbringt sie ihre tage geschuetzt unter einem guten, wasserdichten dach, bei menschen, die wilde woelfe bei sich dulden koennen. Ich darf sie nicht besuchen, streuner wollen diese leute nicht. Es ist mir gleich, sie sind mir so egal, dass ich sie selbst dann nicht einmal anfallen wuerde, wenn sie sich selbstmoerderisch meinen reisszaehnen freiwillig preisgeben wuerden.

Armes land, arme stadt, die solche narren beherbergt.

Meine prinzessin zieht den schwanz ein, damit sie sich besser durch die stehende & flanierende menge bewegen kann, mich kennen viele, & sie wissen, was ich von ihnen halte. Das macht mir das durchkommen ebenso leicht. Princess lupa & ich sind vollkommen verschieden voneinander, & wir kommen dennoch nicht voneinander los, wie es so schoen heisst. Da faellt mir ein, woelfe waren damals bei den hirten auf dem felde bestimmt nicht gut gelitten, es handelte sich ja um schafhirten, die ihre tiere vor uns schuetzen wollten. Aber ich haette sowieso nicht viel lust verspuert, in einem stall ein neugeborenes menschenkind zu bestaunen – was ist schon besonderes an einem menschenkind?! Ueber uns wird eine fabel erzaehlt, woelfe sollen menschenjunge schon mit ihrer milch grossgezogen haben – das stimmt nicht. Menschenjunge koennten unser leben nicht lange aushalten, es ist zu hart fuer sie. Waere dieser jesus, der da an dem weihnachtsmarkt so verehrt wird, von uns woelfen grossgezogen worden, er waere nicht gerne unter die menschen gegangen – & er haette gut daran getan.

Soviel zu seinem geburtstagsfest.

Meine prinzessin moechte nun wieder nach hause. Ich tue ihr den gefallen & geleite sie heim, sie hat nicht weit. Fuer mich ist die nacht noch nicht zu ende.


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