Sammy Vomacka

veroeffentlicht in „Petzau´, 1985“ & „Kaffeehaus-Skizzen 1998

– Der Prophet gilt nichts im eigenen Land –

Das PETZAU` – Team besuchte dieser Tage einen der versiertesten Gitarristen im deutschsprachigen Raum. Bestimmt ist Sammy Vomacka als Musiker kein gänzlich Unbekannter, aber wem ist darüber hinaus bekannt, dass er seit 1978 in Homburg-Bruchhof wohnt?! Im Saarland scheint er weitaus anonymer als in den anderen Bundesländern zu sein, wo er das ganze Jahr über von Flensburg bis München unterwegs ist. Geboren wurde der sogenannte >unbekannte Saarländer< 1946 in der Nähe von Prag, übersiedelte nach der Bundesrepublik und ließ sich in Berlin nieder.

Ein bisschen spät lernte er Gitarre spielen, mich sechzehn. Anfangs spielte er Wandergitarre, später gründete er eine Beatband. Eigentlich wollte er weiter Beatmusik spielen, trat aber dann in den kleinen Berliner Folkclubs auf, in denen damals Leute wie Hannes Wader, Werner Lämmerhirt und Ulrich Roski gastierten. Diese Zeit bedeutete für ihn eine einzigartige musikalische Schule, die seinen späteren Stil prägte und ihn zum vollendeten Folkgitarristen reifen ließ.

In Berlin spielte er mit dem amerikanischen Gitarristen R. S. Williams zusammen – dieses Duo bestand zwei Jahre. 1972 lernte er den Folk-Picking-Stil kennen. Vom Fingerpicking fasziniert, spezialisierte er sich darauf und beherrscht es perfekt.

Lämmerhirt und er gehörten zu den ersten Folk-Picking-Spielern in Deutschland. 1972 bei einem Festival in Ingelheim schlugen ihre Auftritte beim Publikum wie eine Bombe ein.

Sich selber bezeichnet er als Ragtime-Gitarristen. Er spielte zwölfsaitige Gitarre im Stil von Leo Kottke, hat sich seit geraumer Zeit dem Jazz zugewandt, ohne dabei den Blues zu vernachlässigen. Er sagt:>>Die Diskrepanz zwischen den Kottke-Stücken und den Jazzimprovisationen wurde immer größer. Ich wußte das schon die ganze Zeit über, als Einzelinterpret muss man dieses Gespür haben, sonst kann man nicht alleine spielen. Die Zwölf-Seiten-Gitarre passte nicht mehr.<< Auch als ihn erstmalig Zuhörer nach Konzerten darauf aufmerksam machten, bestätigte es ihn in seinem Vorhaben, sich musikalisch umzustellen.

>>Es funktionierte ausgezeichnet<<, meint er und ist sichtlich darüber erfreut.

In der Tat ist sein Gitarrenspiel überaus interessant und hörenswert, da er Fingerpicking mit der Jazzspielweise verbindet – was man von anderen Jazzgitarristen nicht kennt. Auch seine Bluesstücke haben Veränderungen durchgemacht. Sammy: >>Wenn ich heutzutage Blues spiele, gebe ich meistens mittendrin eine Jazzeinlage, die improvisiert wird.<< Sein derzeitiges Programm wurde im großen und ganzen jazziger, teilweise umfaßt es außer Swing und vielen Standards auch Bebop-Elemente.

Wie und warum veränderte er sich?

Das Wie ist einigermaßen erklärt – das WARUM mag lauten: >>Die Folkszene steht nicht auf schwachen Beinen, die ist vorbei – schon seit ein paar Jahren. Es läuft gar nichts mehr.<< Auch in musikalischer Hinsicht scheint einiges zu stagnieren. Zwar wurde die Musik, die Werner Lämmerhirt und er machten, immer brillanter, aber die formalen, einfachen Strukturen der Folkmusic, des Country-Blues u. ä., lassen keine großen Veränderungen zu. >>Irgendwann kommt´s zum Stillstand – entweder man stagniert und spielt weiterhin das Gleiche oder – man stellt sich um.

Es gibt keine einschlägigen Kneipen und Clubs mit reinem Folk-Programm mehr. Überall werden daneben noch Dichterlesungen, Jazz- und Kabarettabende angeboten. Ein reines Folkprogramm trägt sich nicht mehr selbst.

Nach Ansicht Sammys ist die saarländische Folkszene nicht oder fast nicht vorhanden. Er spielt selten im Saarland, ist hier auch relativ unbekannt geblieben – der Prophet gilt eben nichts im eigenen Land. Trotzdem, fügt er hinzu, habe er hier gute Auftritte gehabt, z. B. in Saarlouis in den >Kasematten< oder in der Kirkeler >Tante Milli<. Gute Auftrittsmöglichkeiten sind seiner Erfahrung nach in Süddeutschland, ab Heidelberg in Richtung Süden, sowie im hohen Norden, den Gegenden um Kiel, Lübeck und Flensburg, gegeben. Über die Hälfte seiner Engagements findet er heute in Jazzclubs.

Höhepunkte seiner Karriere sind sicherlich seine beiden ersten LP´ s für das Stockfisch-Label in Braunschweig und die Teilnahme an den Tourneen >>Gitarre ´ 75<< und >>Gitarre ´´ 76<< mit David Qualey, Werner Lämmerhirt, John Pearse und Manolo Lohnes. In den Jahren 1979-1981 tourte er mehrere Wochen durch die USA und Kanada, gab Konzerte in England, Holland und Dänemark (Tondern-Festival 1980). Österreich-Tourneen unternimmt er zweimal im Jahr.

Vomacka wünscht sich keine großen Konzertsäle für seine Auftritte, allerdings sollten die kleinen Clubs, in denen er spielt, Atmosphäre haben – im Schnitt haben solche Clubs Platz für etwa einhundert Leute. Ein großes Anliegen ist es ihm, als Künstler an einem solchen Abend akzeptiert zu werden, d. h., die Gäste, die in diese Clubs gehen, sollen sich über sein Kommen freuen – was für das Zustandekommen von good vibrations zwischen Musiker und Publikum überaus wichtig ist. Der Veranstalter, der Clubbesitzer, sollte seine Stammgäste genügend auf den auftretenden Künstler vorbereiten. >>Wichtig ist, dass der Veranstalter mit dir ist, nicht mit seinen Stammgästen – es sollte ihn nicht bekümmern, wenn er an diesem Abend einen oder zwei seiner Gäste verärgert, weil die ausgerechnet diese Art Musik nicht mögen.
Vier Solo-LP´ s hat er mittlerweile eingespielt, RAGTIME GUITAR, COME TO MY KITCHEN; RAGS AND TUNES, LIVE. Platten, bei denen er neben anderen Musikern mitwirkte, sind: FOLK PUB BERLIN, SESSION von Werner Lämmerhirt, und die beiden Stockfisch-LP´ s GITARRE 76 (1976) und GITARRENSPIELE (1980). Mittlerweile gibt es auch eine CD – EASY RIDER – auf ihr findet man bereits bekannte Titel, die allerdings neu aufgenommen und abgemischt sind. Eine zweite ist in Vorbereitung. SAMMY VOMACKA` S GITARRENBUCH erschien beim renommierten Schott-Verlag, Mainz. Die Stücke in diesem Buch sind nach dem Tabulatursystem und in Notenschrift dargestellt, wobei die Noten eine Transskription sind, d. h., sie entsprechen den gespielten Noten auf der Platte. Sämtliche Schallplatten und das Buch sind über seine Frau und Managerin Annelie Vomacka, Johannesstr. 12, Homburg-Bruchhof, zu beziehen.

Anmerkung des Autors: die Adressen haben sich mittlerweile geaendert. Der Artikel ist 25 Jahre alt.

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