FUCK YOU!!!! – Wolf In The City – Part 12

jetzt kriegt der winter allmaehlich kalte fuesse & zieht von dannen, koennte man gestelzt sagen, wenn´s nicht wirklich so waere. ich alter prairieisegrim & emigrant in der stadt blieskastel mag´s so, wie es kommt, an meinen barthaaren zeigen sich von jahr zu jahr mehr graue stellen – kommt das von dem grauen, das ich mir in dieser stadt zugezogen habe?! ich glaube nicht, es sind die vielen jahre auf meinem buckel, die stolpersteine unter meinen fuessen & der schlechte frass, den ich mir muehsam aus den muelltonnen in diesen strassen zusammensuchen muss. aber ich hab´s ja so gewollt. mein altes territorium habe ich aufgeben muessen, schon vor jahren, meine eigenen nachkommen haben mich verjagt, aber meine frau hat immer zu mir gehalten & ist mit mir in diese stadt gekommen, um zu leben – & zu ueberleben.

so manches schrotkorn steckt in meinem ruecken, die jaeger haben mich mehrmals aufgescheucht, als ich noch nicht sicher war, ob ich hier bleiben wollte. sie wollen keine konkurrenten. aber dass sie mit schrot auf mich schossen, das ist schon gemein, muss ich hinzufuegen – ansonsten beklage ich mich nicht. ein paar jaeger sind schon gestorben. & die anderen haben altersbedingt ihre waffen abgeben muessen. meine reisszaehne habe ich noch, alle, das ist fast ein kleines wunder in meinem alter. & meine krallen an den vier pfoten sind auch alle vollzaehlig, die pfoten inbegriffen. also, sagen wir, es geht mir gut. mein heimweh nach der prairie & meinen artgenossen kann ich inzwischen aushalten, die alten zeiten sind vorueber, das alter laesst mich alles gemuetlicher angehen.

trotzdem ist da etwas, was ich vermisse – genau kann ich es nicht sagen, aber es ist da, das gefuehl. es ist kein versaeumnis, kein neidisches, kein sexuelles gefuehl, es ist, wie sollte es anders sein, ein sehnsuechtiges gefuehl: meine wut, mein zorn, sie haben sich davon gemacht bei nacht & nebel, ins nirgendwo, in ein unberuehrtes schneefeld – noch vor bald sechs jahren haettet ihr mich sehen sollen, mein zorn war grenzenlos, ich liess ihn heraus wie die jaeger ihre bluthunde, ein brennender dornbusch in der wueste, um es mal biblisch auszudruecken – ueberdies glaube ich nicht an den gott der christenmenschen, die hier wohnen, aber das bild kommt meinem damaligen zustand sehr, sehr nahe.

& wenn ich heute Fuck You! rufe, so ist meine woelfische stimme nur noch ein leises kraechzen, weil ich rasenden durst habe – der ist mir geblieben aus den alten zeiten, & er wird auch nie verschwinden. das fluchen & verfluchen ist jedoch geblieben, es hat sich sogar noch verstaerkt.

alles andere ist am verschwinden.

wem gilt mein ausruf, werdet ihr fragen?! er gilt dem alten wie dem neuen, dem unbekannten, dem unaussprechlichen, dem banalen. meine jaeger haben mich das gelehrt, ihr koennt den ueberlebenden sagen, ich haette es kapiert, wenn ihr wollt. blieskastel ist mein exil & mein domizil, ist zwangsumsiedlung & heimat zugleich, ist widerspruch & harmonie – tiere sind nicht religioes, & wir woelfe schon gar nicht, wir trachten nicht nach den seelen der tiere, die wir reissen, nur nach ihrem fleisch, das uns naehrt seit urzeiten. manchmal koennen wir sogar unsere jaeger fressen, das ist eine kleine genugtuung in unserem daseinskampf.


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