Bilder malen mit Worten

Ein Credo als Dichter ist das sicher nicht, trotzdem, ich werd´s versuchen. auch ohne bestimmte kleine substanzen, wie rotwein oder bier, auch ohne zu rauchen oder an eine bestimmte frau zu denken, langsam kommen diese bilder heraufgezogen, in herbstfarben,  selbst an diesem fahllichtigen spaetwintermaerztag, der den blauesten mondhimmel herbeizauberte, den ich mir vorstellen kann. er koennte, wenn es nach mir ginge, noch mehr hervorzaubern, aber es ist muessig, darueber nachzudenken. trotzdem, die bilder sind da, & sie gehen nicht weg. es sind viele tote dinge darunter, verborgenes, offenes, vertuschtes, verdraengtes & trauriges. & ich will dichter genug sein, dies alles auf mich einwirken zu lassen, damit etwas neues entstehen kann.
etwas erregendes liegt in diesen bildern, ich errege mich in der tat, & das gibt kraefte, die ich immer seltener an mir erlebe, seit die ganz grosse, schier unerschoepfliche, allein seligmachende kraft mich verliess …. gleichmuetig liess es mich werden, erst an der oberflaeche, dann tiefergehend, dunklere farben in meinem verstandesinneren, die nie mehr weichen – nur die nacht auf einem friedhof kann noch schwaerzer sein.
doch es ist eine heitere melancholie dabei, sie macht mich selbst in dunklen stunden gelassen & beinahe stoisch, denn die farben fliessen wie ein bedaechtig breit fliessender fluss am abend, wenn der wind sich legt, dann moechte ich mit meiner liebsten an seinem ufer sitzen & die sterne, auf denen wir in der ewigkeit leben werden, herbeiwuenschen. meine freundin wird mich wie immer nicht ein einziges mal verstehen, was ich da denke, aber sie wird mir die gelegenheit verschaffen, auf die ich schon lange zeit warte. dann, nur dann werde ich wieder alleine sein. aber das ist eine andere & anders gefaerbte traurigkeit, & sie wird mich von meinen goettern wegtragen.
welche farben haben diese gottheiten? sind sie bunt oder fahl oder einfarbig? ich traeume keine buddhatraeume, keine jesustraeume, keine erweckungen, keine besaenftigungen, keine feuchten traeume, geschweige denn ihre farben. ich sehe farben, die es seit jahrtausenden gibt, an jedem flecken dieser erde, in jeder pupille von menschen & tieren, die mir etwas bedeuten.

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