City wolf and rotten brain – Wolf In The City Vol. 13

die tragik ist ein nummernkonto, das keinerlei zinsen bringt – & die komik ist ein pferd, das nicht gelernt hat, fahrrad zu fahren. (unbekannt)

jetzt ist mein anspruch am zusammenbrechen, der stadtwolf gehoert nicht hierher, er gehoert auf die strassen, dorthin, wo er verachtet werden kann, denn von dort kommt er her.
so,  jetzt lasse ich aber die dummen sprueche – heute morgen strich ich auf der suche nach echten abenteuern, & wie immer gut getarnt, durch meine heiss geliebte & kalt gehasste exil-heimatstadt blieskastel. wie ihr wisst, ist diese meine angestammte domaine, worin ich mich am ehesten wohlfühle. wenn ich denn etwas spuere, was in den letzten beiden monaten leider nicht oft der fall gewesen ist. warum das so ist!?
man hat mir in diesem neuerlichen fruehjahr den schneid abgekauft, mir ist die luft ausgegangen wie einem luftballon – es wird zeit fuer eine veraenderung. diese stadt zaehlt wahrlich nicht zu den attentaetern, die mir das angetan haben, wahrlich nicht, aber ich komme nicht von ihr los, ich muss hierbleiben & streunen & streunen & streunen, tagein, tagaus, bis mir die pfoten vom vielen laufen wehtun. das macht mir aber nicht im geringsten was aus, ich kenne fast jeden winkel in dieser stadt, das hat auch sein gutes, denn blieskastel ist voller geheimnisse, die sehr ungemuetlich auf mich wirken.
wogegen ich im grunde nichts habe, sonst waeren es ja keine geheimnisse – es ist nur so, diese versteckten geheimsachen grenzen mich aus, dabei bin ich doch schon mehr als genug ausserhalb von schwarz & weiss, dies kommt noch hinzu, & es macht alles nur noch schwieriger fuer mich.
doch liegt darin gerade der reiz – es ist eine herausforderung, auf schwierigkeiten zu stossen, mit denen man nicht rechnet, nicht wahr? ich sollte mich den herausforderungen stellen, wie dem auch sei, was habe ich zu verlieren? doch wo keine ecken sind, sind auch keine strassenkreuzungen, wo keine menschen sind, kann ich nicht anecken!
es sind aber welche da, nur sehen mich diese art menschen nicht, sie hasten durch die altstadt, sie drehen sich nach niemandem um – alles wie gehabt, wie frueher, wie heute, wie gestern & morgen. ich kann es dem asphalt anmerken, dass an diesem spaetwintermorgen nicht alles in ordnung ist, es fahren kaum autos, & in der stadt an sich geht es recht leise zu. meine prinzessin lupa hat etwas zu fressen gefunden, wir wollten uns heute morgen hier treffen, sie ist aber nicht sehr freigiebig mit dem fressen, sie will alles fuer sich behalten. soll sie, ihre gegenwart kommt mir heute nicht besonders gelegen, also kann sie auch alles auffressen.
hunger spuere ich nicht heute morgen.
ich wittere, dass etwas auf mich lauert, es ist keineswegs lupa, die ist zu sehr mit sich selber beschaeftigt, als dass sie etwas bemerken koennte – & meine warnungen schlaegt sie eh´ in den wind. wir trennen uns auf halbem weg, heute haben wir keine zeit fuereinander – ich gehe gemaechlich den schlossberg hoch, in die sonne, die heute wirklich zum ersten mal in diesem jahr waermt. mein fell ist noch im winterkleid, es waermt mich noch immer sehr gut, & meine tarnung ist wirklich perfekt. sie ist meine ureigenste erfindung, nebenbei bemerkt, & darauf bin ich stolz. viel arbeit hat es mich gekostet, bis es soweit war, bis ich mich weitgehend unbekannt unter die menschen mischen konnte. man haelt mich fuer einen heruntergekommenen bastard. vielleicht sieht ein wolf fuer menschen wie ein bastard aus, sollen sie es ruhig glauben. ein werwolf bin ich aber nicht. das haelt sie aber nicht davon ab, mir aus dem weg zu gehen & mich zu meiden. sollen sie ruhig, mir ist es recht, so lassen sie mich meiner wege gehen & ich kann weiterhin beobachten. nur die vermeintlichen jaeger haben meine spur manchmal aufgenommen. sie sind keine echten jaeger, das macht sie umso gefaehrlicher, weil sie alles daran setzen, mit kanonen auf spatzen zu schiessen – oder, auf meine spezies bezogen, mit schrotladungen auf einzelgaengerische woelfe – daran laesst sich erkennen, wie verkommen & dekadent die menschenwelt ist.

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