Wolf In The City Vol. 14 – Beutegreifer

angegriffen wurde ich, konnte mich jedoch meiner haut wehren, sie ist mir lieb & teuer – ein angriff von hinten, zwei oder drei warens, zwar keine wolfsgestalten, eher coyoten – wer mag die schon?!
aber was tun sie hier in der stadt, sie sind auch hierzulande nie heimisch gewesen, vielleicht in irgendeiner zwischeneiszeit …. lang lang ists her. ich konnte sie gerade noch kommen hoeren, dann wars auch schon fast zu spaet, der eine schnappte nach meiner kehle, der hinterste nach meinen hinterbeinen & der zweite, der groesste von den dreien heulte mir in die ohren: du verraeter, du weichei, du narzisstisches schwein! jetzt haben wir dich, wir killen dich! & ein vierter muss ebenfalls noch dabei gewesen sein, ich hoerte seine heiseren kommandos.

das letztere lasse ich nicht gelten, ich wehre mich meiner haut. vielleicht auf diesem wege, vielleicht auch auf andere arten.
blieskastel hin, blieskastel her, ich dachte immer, hier sei meine zweite heimat, auch wenn ich viel ueber sie laestere, ist halt meine art, aber dass ich hier umgebracht werden soll, das haette ich nun doch nicht angenommen. nun denn, so sollte es sein, man muss sich jeder situation stellen, die sich einem ehemaligen prairiewolf bietet, auch wenn es eine ausgesprochen unfaire situation gewesen ist, drei gegen einen, oder warens sogar vier!? dem schreihals boxte ich mit meiner linken seite ins gekroese, den kehlenschnapper habe ich gleich darauf an den ohren weggerissen & der mir an die hinterbeine wollte, den habe ich einfach abgehaengt. aber wo blieb der vierte ab? ic h dachte, ich haette vier bemerkt. jedenfalls – ich liess meine peiniger hinter mir, als ich mich nach einigen hundert metern umdrehte, sah ich sie im staub hocken & ihre wunden lecken – mannomann, was fuer ein toller anblick.
aber, wie es so oft der fall ist, nicht das opfer erregt das mitgefuehl der oeffentlichkeit, sondern die taeter selbst, wenn sie einmal in die flucht geschlagen worden sind. nur weil ich sie verletzte, bekamen sie allein die sympathie der leute zu spueren. die merkten natuerlich nicht, dass es sich ebenfalls um steppentiere handelt, coyoten koennen sich gut tarnen, noch besser als unsereins. sogar ich kann sie manchmal nicht von wirklichen menschen unterscheiden. dabei sind mir menschen bei weitem nicht so vertraut wie es steppentiere sind.
wenn es so weitergehen sollte, werde ich wohl wieder hinaus wandern in die steppe, aber so schnell gebe ich nicht auf. blieskastel ist warm & gediegen, abgesehen von seinen menschlichen & un-menschlichen bewohnern ist es ein guter ort zum ueberleben – aber zurueck zu den falschen sympathietraegern. die liessen sich ihre wunden verbinden, sogar auf tragen abtransportieren, vier tage hielten sies im krankenhaus auf, wie ich herausfand. & sie wurden mit glueckwuenschen & blumenstraeussen ueberhaeuft & vom chefarzt persoenlich wieder entlassen.
meine damen & herren leser/-innen, ich habe schon staub geschluckt, da wart ihr noch arme wuestenwanderer, blieskastel eine kleine roemische festung & unbedeutender marktflecken. ich habe den staub geschluckt, nicht weil ich als letzter reisswolf einer raeudigen herde hinterherhinkte, sondern, weil ich der leitwolf war, der seine gruppe in neue gebiete gefuehrt hat, weit abseits von den menschen, die damals allerdings noch nicht so zahlreich wie heute waren. & als wir einen guten ort fanden & der streit losging, gab ich meinen posten freiwillig ab, zog mit meiner kleinen familie weiter & weiter, bis hierher in diese malerisch schoene bliesstadt. die gabs damals noch nicht so, wie sie sich heute praesentiert, & es ist einfach zu lange her, um darueber noch ein wort zu verlieren, doch ich fand meine ruhe vor allen, die nichts gutes von mir wollten, bis zum heutigen tag.
einerseits ist es gut, fuer sich zu leben, getarnt & unauffaellig seinem tagewerk nachzugehen, andererseits ist es sehr sehr einsam, weil man kaum von seinesgleichen hier am selben ort findet, ausser meiner prinzessin lupa – sie ist noch eigenstaendiger & eigenwilliger als ich. sie ist so gut getarnt, so menschenaehnlich, dass ich sie manchmal nur mit muehe als meine artgenossin erkennen kann. doch gibt sie sich mir gerne als meine gefaehrtin zu erkennen. was wiederum meinen feigen angreifern nie in den sinn kaeme. sie liessen sich als menschen feiern, als opfer bemitleiden & als sieger aus ihrer hinterhaeltigen aggression hervorgehen. zum glueck ist das alles nicht meine welt – sollen sie feiern & machen & tun, so viel sie wollen, ich habe was ganz anderes im sinn. darueber spaeter, wenn ich wieder gut denken kann.


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