GRABSITTEN – NEUE UND ALTE

das verwesen ist toedlich fuer eine leiche – haetten sie´s gewusst?! (ein ehemaliger arbeitskollege, oktober 2010)

´ich habe keine angst vor dem tod, ich moechte nur nicht dabei sein, wenn´s passiert.´ dieser satz stammt von Woody Allen, einem meiner lieblingsregisseure. zugegeben, wer hat denn keine angst davor, es ist eine ganz typische menschliche angelegenheit, sich vor dem eigenen ende zu fuerchten. & wenn man, so wie mein geburtsjahrgang 1954, allmaehlich in die jahre kommt, kann man etliche meiner gleichaltrigen zeitgenossen recht grueblerisch darueber philosophieren hoeren.

„wie moechtest du eigentlich mal beigesetzt werden?“
„am liebsten waere mir, wenn meine asche in die blies gestreut wird. ich wollte schon immer mal das meer sehen.“

friedhofsgepraeche koennte man solche erguesse ohne weiteres nennen, denn sie finden meistens an diesen orten statt. nicht verwunderlich, denn die leute, die wie ich auf die sechzig zugehen, haben meistens schon ihre eltern dort liegen, pflegen deren letzte ruhestaetten & sehen andere bei der gleichen taetigkeit. irgendwie ist dies beruhigend & dann doch wieder nicht, denn wer will schon gerne an sein eigenes ableben erinnert werden? ja, das erinnern, es ist so ´ne sache. ein pfarrer spendet bei der beerdigung wenig trost, denn er kann nur sein vages bild von einer moeglichen weiteren existenz in der ewigkeit den trauernden darbeiten, er kann es schlicht darstellen, poetisch oder katholisch – keines reicht wohl an die wirklichkeit heran, naemlich, dass einem nur zum heulen schlecht ist & die trauer eine last, die einen niederdrueckt fuer lange zeit.
das kennt wohl jeder, & wenn nicht, es bleibt keiner davon verschont. kein priester vermag echten trost zu spenden, keine grabrede reicht an die schreiende stille heran, die einem das gehirn vor trauer schier zerplatzen laesst. man kann dergleichen nicht aufhalten.
nichts lebt ewig, nur die erde & die berge.
in mexico haben sie einen feiertag, der den tod feiert & verspottet.
in tibet werden die toten menschen zerstueckelt & den voegeln ueberlassen.
die indischen parsen liessen ihre toten auf tuermen auf ein gitter legen, die voegel frassen das fleisch, die knochen fielen durch die gitter in den turm.
die aegypter balsamierten ihre leichen ein, damit sie ewig erhalten bleiben sollten. da galt so mancher tote mehr als ein lebender.
ist es nicht gleich, was mit einem toten koerper geschieht, es ist doch alles nur verwandlung? das wie ist nicht entscheidend.



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