WIE JACK KEROUAC STARB

moechtest du so sterben: die leber herauskotzen, im eigenen blut ersticken, weil der alkohol alles zerstoerte, was du ihm erlaubtest zu zerstoeren?!

das klingt nicht nur schrecklich, es ist es auch. aber fuer den amerikanischen dichter Jack Kerouac war es nur die logische konsequenz, wenn man so will, die „summe“ seines lebens. & was war mit neal cassidy? wahrscheinlich wurde er von einem auto ueberfahren, in einer eisigen februarnacht des jahres 1968, genaueres weiss man nicht – ´s war ja nur ein hobo, der unter die raeder kam, keine bedeutende persoenlichkeit.

fuer mich sind diese beiden maenner noch lebendig, weil sie meine traeume hervorriefen & noch immer hervorrufen koennen. sie waren ehrlich zu sich selbst & hart gegen andere, eine haltung, die mir nicht ganz behagt, aber sie war nun einmal vorhanden, & ich habe sie zu akzeptieren oder abzulehnen. das letztere tue ich ganz bestimmt nicht. 

wieviel energie braucht man, sich selber zu tode zu trinken? Kerouac tat es, er starb im Oktober 1969, & es war nicht nur fuer ihn die logische konsequenz seines gesamten lebens. er hat die amerikanische gesellschaft nicht akzeptieren wollen & ist ausgestiegen, einer der ersten aussteiger ueberhaupt. & er waehlte die strasse als seinen lebensstil aus, was das bedeutet in den usa kennt man aus seinen buechern, aehnliches schrieb Woodie Guthrie in den dreissiger jahren. dessen leben war allerdings die musik. 

nur fuer mich spiesser-europaeer erscheint dies alles wunderbar romantisch & nachahmenswert, vielleicht sogar sein tod. einer meiner freunde ist auch an alkoholismus gestorben, sein leben war vollstaendig darauf ausgerichtet, sich auf diese art zu zerstoeren, niemand konnte ihm helfen. & er war nicht romantisch. kerouac war es zutiefst, denke ich – er war auch ein harter brocken, das denke ich ebenso sehr. was nach meiner meinung sein lebensende weiter betruebt, & das bis heute, ist seine resignation in den letzten lebensjahren. bei einem seiner letzten interviews fragt er die junge, huebsche reporterin, ob sie mit ihm schlafen wolle. & als sie verneint, meinte er nur: „nunja, wichsen tut´s auch.“

jack kerouac ist nicht gescheitert, er hat auch nicht gesiegt oder mit seiner einstellung erfolg gehabt, wirklich nachhaltigen erfolg zu lebzeiten, meine ich, aber er war konsequent in seiner haltung. niemals rueckwaerts schauen, & stets auf das neue, das abenteuer, gefasst sein, wo man auch ist. & dieses lebensgefuehl konnte er nur auf der strasse, auf seiner strasse, erfahren.

es gibt ein paar wunderschoene fotografien von bob dylans entourage waehrend der rolling-thunder-revue-tournee 1975, man sieht allen ginsberg & ihn am grab von jack kerouac kauern, sie lauschen hingebungsvoll einer tonbandaufnahme, ist es vielleicht die stimme kerouacs? man weiss es nicht. aber er ist noch immer nicht zu ende gedacht, kerouacs traum, fuer ihn schon, denn seine konsequenz liess ihn dort zurueck, wo er vielleicht hin wollte. & es war nicht das paradies der vereinigten staaten von nordamerika.

Anmerkung ————————————————————-

(diesen post schrieb ich rein aus dem gedaechtnis, ich habe seit den siebziger jahren nicht mehr viel ueber diese beiden dichter gelesen, geschweige denn, sie studiert oder sekundaerliteratur ueber sie gelesen. es ist ein gedaechtnisprotokoll, gaenzlich unverfaelscht, vielleicht mit fehlern meinerseits oder irrtuemern verbunden, aber es geschah spontan & in wenigen ansaetzen, vielleicht ganz im sinne von kerouac, der sein leben als strasse sah.)

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