SCHULE DER AESTHETEN – DIE SOMMERAKADEMIE IN BLIESKASTEL

——> Ein Essay in Bildern <————

Der Wolfinthecity begegnet der blieskasteler kunst ……….
was mich morgens freut, stimmt mich am nachmittag nachdenklich – wie immer, mir kommen leicht die zweifel von den lippen & ins gehege, aber ich habe es mir ja selber ausgesucht, wenn ich an die oeffentlichkeit muss. zum glueck ist die princess lupa dabei, die ueber alle schranken huepft & sich nicht ein einziges mal nach mir umschaut. ich folge ihr nach, hier wieder ist die orangerie, das ganze gelaende des blieskasteler schlossbergs, einschliesslich internat & grundschule & alles, was dazwischenliegt, ist noch ueber eine woche lang der kreativitaet gewidmet. weil die prinzessin ebenfalls malt, gehen wir natuerlich sofort in die orangerie, wo die kunst des acrylmalens blueht. ploetzlich weiss ich mal wieder, weshalb ich diesen langen, schmalen raum so liebe – hier sind die farben zuhause, vielleicht wurde hier ein regenbogen fuer blieskastel geboren, zuzutrauen waer´s den vielen frauen, die hier malen. ich schnuere zwischen den staffeleien herum, kann kaum meine pfoten von den bildern lassen, die sitzende, liegende frauengestalten in allen variationen zeigen. ich liebe das unfertige, das im entstehen begriffene, es kratzt an meiner kreativitaet, neues zu erfinden –


princess lupa ist verschwunden, ich finde sie ein stockwerk hoeher bei ihrem ehemaligen chorleiter, der hier auch seinen kurs anbietet, wie sollte es anders sein, chorgesang auf hoeherem niveau, nicht nur im ersten stock der orangerie. meine prinzessin heult nicht gerne mit ihren woelfen, sie heult mit den menschen, damit diese ihr woelfisches verhalten fuer ein paar momente vergessen sollen, vielleicht wurde deshalb auch der menschliche gesang erfunden, eine art widerpart zum wolfsgeheul?!
wir schnueren hinueber zum ehemaligen internat, an der eingangstuer faellt mir sogleich ein aufklebe-logo der stadt blieskastel auf dem steinfussboden auf. „blieskastel liegt am boden, aber an der kunst will sie immer noch verdienen.“ haette ich am liebsten mit sch

warzer kreide daneben geschrieben. princess lupa hat etwas dagegen. sie ist heute die moralistin. mein woelfisches grinsen entgeht ihr nicht, sie stellt die rueckenhaare auf weibliche gegenwehr & knurrt mich zaehnebleckend von der seite an.
in den fluren herrscht gaehnende leere, aber aus fast allen raeumen hoert man stimmen & sieht leute laufen, hineingehen & herauskommen. geschaeftig sind alle, aber wunderschoen entspannt, kein wunder, sie haben urlaub & koennen ihren hobbies nachgehen. mein hobby, das moralische fressen suchen, habe ich zuhause gelassen.
wir hoeren von weitem die trommler, die cajons spielen, als wir zu den bildhauern stossen, ich schaue ein wenig aengstlich um mich, ob ich nicht ein stueck holz entdecke, an das ich schon mal gepinkelt & mein revier abgesteckt habe – zum glueck sind es allesamt importierte hoelzer, die hier geformt werden zu etwas neuem. das „neue“ sind die alten, uralten formen: idolaehnliche gebilde, goetzen aus der altsteinzeit vielleicht ….. wenn die leute nur wuessten, was sie da aus ihrem unterbewusstsein holen…..
die orangerie vor augen setzen wir uns noch in den garten & reflektieren unsere gemeinsame veragangenheit & die augenblickliche gegenwart. princess lupa ist weit davon entfernt, sentimental zu werden, aber es ist in zwanzig jahren sommerakademie schon einiges bemerkenswertes geschehen, sie hat ein faible fuer menschen & menschenbilder, sie ist immerzu neugierig darauf, einen menschen kennen zu lernen, der vielleicht menschlichere zuege als andere an sich hat. worin ich keinen seitenhieb auf meine woelfische wenigkeit sehe, beileibe nicht.

uns erwartet noch ´ne ganze menge an aktivitaeten, aber der garten hat es mir gerade so sehr angetan, dass ich nicht mehr weiter will. der nachmittag ist verflossen, hat sich aber keinesfalls verfluessigt. wir werden wiederkommen, vielleicht schon diesen freitag. oder am letzten freitag, bei dem grossen abschiedsfest der sommerakademie, wenn die verschiedenen teilnehmer ihre werke praesentieren. zu laut ist mir das menschenwerk geworden, aber ein wiedersehen mit ihnen wird es meinerseits allzeit geben. princess lupa ist feuer & flamme wegen der tollen bilder, sie weiss es nicht, aber sie ist die expressionistin in unserer beziehung. hoffentlich kann ich noch viel beute fuer sie anschleppen.
(wird fortgesetzt)

Advertisements