EIN GANZES LEBEN IN DREI MINUTEN

DIE RENTE DROHT MIR MIT DER FAUST – EIN JUNG GEBLIEBENER FREIGEIST, Rudolf Schwarz, ERINNERT SICH

was soll ich schreiberling denn mit einem rentier anfangen!? ach so, das heisst ja RENTE – Reiche ernten notfalls totalen Erfolg – wie konnte ich das denn vergessen? Ja, sie langt zu, die Rente, sie beisst sich allmaehlich fest in meinen gedankengaengen, nur ist sie flach wie eine ueberfahrene flunder, und klein, winzig wie eine bakterie, & sie stinkt mir, denn sie zeigt mir gnadenlos mein leben auf. dieser tage bekam ich einen entsprechenden brief von der deutschen rentenversicherung des saarlandes, ich solle noch ein paar fehlzeiten nachtragen. diese fehlzeiten umfassen fast mein gesamtes schulisches & studentisches Ausbildungsleben. also der allerwichtigste teil meines lebens ueberhaupt, der personalausweis meiner vita, der sahneteil meines curriculum vitae, dort, wo die milch der frommen denkungsart zusammenlaeuft & zu wissen & macht gerinnt, dieses verdammt schoene ausbildungsleben, eigentlich meine jugend, die ich nachholte, & wie, nahm nie ein blatt vor den mund, war immer beruechtigt & unbequem dadurch, wurde belaechelt & ausgelacht, verachtet & missachtet, & ich wurde in dieser zeit zum dichter, nicht zum ausgereiften, aber zum schreiberling mit besonderen sensoren, der dem volk zwar selten aufs maul schaute, aber dennoch die spreu vom weizen unterscheiden konnte.
es interessierte sich bislang kein schwein dafuer, was ich schreibe.
Ca va – zurueck zur rente. einerseits wehre ich mich dagegen, alt zu werden, rente zu erhalten, abgeschoben zu sein – andererseits waere es das beste fuer mich & meine derzeitige situation – endlich weg vom ARGE-Fenster, frei wie ein rentner sein, die sonne geniessen, den morgendlichen schnaps geniessen & schon bald den sarg bestellen. was kann schoener sein auf erden als armer rentner zu werden!?
das jammern ueber die verlorene, verpfuschte jugend hilft nichts, so verpfuscht ist sie nicht, sie ist nur vergangen, der groesste teil meiner lebensspanne mit ihr. ich kann dankbar sein, dass ich noch 3 – 4 sinne beisammen habe, den fuenften & sechsten musste ich leider abgeben, die passen nicht zu mir.
vielleicht erledigt die natur das ganz von alleine, da habe ich eigentlich keine bedenken. woelfe sind in deutschland wieder im kommen, mein haustier, der stadtwolf (aka wolf in the city), der ohne namen, kann es mir bestaetigen. er lauert nur darauf, meine leiche fressen zu koennen, der alte kojote, ich kenne ihn doch. ja, alter citystreuner, du kannst noch ein bisschen warten, noch bin ich ein springinsfeld & schwerenoeter, eine dreckschleuder im gewissensteil meiner mitbuerger, ein tier, das keine dankbarkeit kennt, ein militaerfahrzeug, das keine tankbarkeit sich goennt, & es irgendwo in der prairie liegen bleibt.
Herbert hoert ein HU?! ich hoere bloss ein langes buuuuuuuuh.
ja, die misserfolge sind meine kinder, schon immer gewesen, fruehester jugend an. ich sammelte sie, klebte sie in meine alben, tagebuecher & notizbloecke, sie brannte ich mir unter die haut, mit flambierendem cognac oder absinth.
besser ists, die unnuetzen gewaehren zu lassen, sie haben keine grossen ideen, sind fantasielos, dumm & faul. liebe mitbuerger, ihr habt so recht gehabt mit euren vorurteilen & intrigen, euren ueberheblichkeiten & arroganzen, mir klingeln noch heute die ohren.

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2 Kommentare zu „EIN GANZES LEBEN IN DREI MINUTEN

  1. Hallo, Sutaio, ich hatte einfach zu tun, obendrein dazu passend keine Lust. Tja, und Du? Das nennt man sich etwas zuschreiben. Alle Unruhe, die keinen Richtigen mehr findet, hat sich bei Dir niedergelassen. Früher hat man Ziegenböcke in Pferdeställe gestellt, um vor den Pferden Krankheiten abzuhalten. Der Ziegenbock kriegte sie tatsächlich alle, starb früh. Daher der Name „Sündenbock“. Du, und auch ich, wir sind Sündenböcke. Die andern ziehn die Fuhre. Sie ziehn sie hübsch geschniegelt in den Dreck.

    1. ich dachte mir schon, dass deine laengere schreibabwesenheit einen grund hat – aber in letzter zeit bist du wieder da, und wie!
      ein gutes hat diese misere ja doch, naemlich: ich hab keine angst mehr, das maul aufzumachen, ich sage nur noch, was ich denke. viel zu lange musste ich mich ducken, weil ich hoffte, nochmal einen job zu bekommen, aber pustekuchen…..
      schreib weiter, monologe, schreib auch dia- oder trialoge, aber schreib weiter. es bleibt spannend.

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