SUMMA SUMMARUM – WER SEINE SCHAEFLEIN BITTET IHR SCHERFLEIN BEIZUTRAGEN IST NOCH LANGE KEIN GUTER HIRTE

 

Ensemble Scheldeborn im Garten der mimbacher Pfarrei

JED

ES GEHT AUCH ohne Religion, wie man sieht & hoeren kann, im Garten des Matthias-Claudius-Heims in Mimbach, am gestrigen Sonntag, dem letzten Julitag des Jahres 2011 – & es handelt sich um eine kammermusikalische Darbietung, obwohl im Freien stattfindend, ein reines Vergnuegungs-Event war´s bei weitem nicht, der freiwillge Beitrag eines jeden Zuhoerers dient der Erhaltung & Wiederherstellung der mimbacher Kirchenorgel, einem guten Zweck also. Einem g u t e n Zweck!?

Wurde nicht schon genug georgelt, nicht nur in den Kirchen?
Sei´s drum, die Musik des „Ensemble Scheldeborn“, Axel Weinland, Doris Hertel & Peter Baarß, Gesang, Akkordeon & Gitarre/E-Piano, tat ein uebriges, diesen Sonntagabend zu verschoenern, auf eine eigenwillige heimelige Art & Weise, die man nur mit dem – selbsterfundenen – Begriff „Bliestal-Charme“ umreissen mag. Im Grunde genommen kam ich nur hierher, um aus einer bitterboesen Laune heraus dieses Konzert zu bootleggen, d. h., unerlaubt aufzunehmen & diese Aufnahme in – unerlaubten – Umlauf zu bringen. Das ist das Woelfische an mir, immer zurueckbeissen zu wollen, wenn einem wehgetan wurde, aber mir hat ja keiner von den Anwesenden etwas angetan – pax bliestalensis, wie der Englaender sagt, sollte an solch einem Abend herrschen, & nicht nur um diese Zeit.

Mehrere Male straeubten sich mir die Nackenhaare bei manchen der Songs, der grösste Teil bestand aus Reinhard-Mey-Liedern, angesagt mit wunderschoenen selbstverfassten Texten von Axel Weinland, die nicht nur den Charakter der Lieder wiedergaben, sondern noch weiter ausholten, autobiografisch gefaerbt mitunter, persoenlich & bliestalerisch angehaucht, mit Verlaub – das zweitbeste Vergnuegen an diesem Spaetnachmittag. Soll heissen: nicht nur die Musik Reinhard Mey´s hat zu diesem gelungenen Konzert einiges beigetragen. Ich habe die Gruppe schon mehrere Male in den letzten 15 Monaten gehoert & bewundere ihre Interpretationsmoeglichkeiten dieser Songs, insbesondere durch den Einsatz des Akkordeons,es sind auch etliche Stuecke von Hannes Wader & Konstantin Wecker darunter, die ziemlich bekannt sind, manche schon mit Folksong/Volkslied-Charakter…… Ja, ja, „Heute Hier, Morgen Dort“ hat auch schon laengst seine eigene Gemeinde gefunden, vielleicht so aehnlich wie „Die Lorelei“ von Heinrich Heine. Aber diese Lieder wurden an diesem Abend nicht gesungen.

Die guten Maechte waren ebenfalls vertreten im mimbacher Pfarrgarten, es regnete nicht, aber es gab auch keine sichtbare, waermende Sonne – tat dem Ereignis aber keinen Abbruch, die Leute waren´s zufrieden, es gab guten Wein, weissen, roten & rosefarbenen, Bier & belegte Broetchen, der Rose-Wein war uebrigens hervorragend, vielleicht trug dies auch zum Zauber dieses Konzertes bei, ich konnte keinen Fressfeind in diesen Stunden erblicken, das war sicherlich gut so, denn dieses Dorf ist mir fremd geblieben, obwohl ich ausschliesslich hier die Gegenden unsicher mache mit meiner unruhigen Anwesenheit. Mir froestelte nur im Laufe der Zeit, doch das wiederum kam nur von der unterkuehlten Witterung dieses Tages, der wie ein spaeter Oktobertag daherkam, grau gewandet & kuehl im Geiste.
Eines hat er zusätzlich bei mir bewirkt, ich freue mich naemlich jetzt richtig, dass die Wiederherstellung der Kirchenorgel in absehbarer Zeit moeglich sein wird, ein Stueck Heimatlichkeit mehr, das in meinem alten Herzen Einzug halten duerfte -– dabei werde ich bei dem Begriff „Heimatlichkeit“ bestimmt nicht gefuehlsduselig einbrechen, wie gesagt, die ohnehin schon kraftvolle Alltagsordnung wird nicht nur mich alleine morgen wieder einholen, & dann liegte es an einem jeden, das sonntaegliche Erlebnis noch eine ganze Weile mit sich herumzutragen & zu verarbeiten. Es wird nicht das letzte Ereignis dieser Art in Mimbach sein.

Advertisements