MEIN FREUND CHARLIE

ich weiss nicht, wie es meinen lesern geht, mir ergeht es oft so, stelle ich mir diese fragen: habe ich freunde? sind sie ehrlich & aufrichtig zu mir? bin ich es zu ihnen? stellen sie sich auch diese fragen & wenn nicht, was habe ich ihnen angetan?
da ich in einer dieser lebensphasen bin, in der man nicht ueber viele freunde verfuegt, kann ich hier behaupten, dass es zum reifeprozess eines jeden gehoert, wenige freunde zu haben, gute bekannte ja, aber freunde sind rar. es macht mir nichts aus, denn ich lebte schon immer wie ein solitaer, stellt euch einen marabu vor, der durchs gras stakst & nach aas ausschau haelt, dann habt ihr das bild getroffen.
ganz so ist es wahrlich nicht.
das zusammenleben aendert sich. aus freunde koennen fremde werden, sogar feinde, alles scheint moeglich – die enttaeuschungen summieren sich, waehrend einer zeit, in der man nach dem wind haschte & nicht selten den sturm zu ernten bekam, sind auch die gefaehrten klammheimlich verschwunden. gruende dafuer gibt es viele, sie sollen hier nicht alle aufgezaehlt werden (warum eigentlich nicht?). darum nicht!!!!!!
es aendert sich alles, selbst die naivitaet aendert sich. es aendern sich die zeiten & die gelegenheiten, es aendern sich die ess- & trinkgewohnheiten & das, was man einst liebte & verehrte. das kann einerseits sehr traurig aber auch sehr schoen sein. ich liebe mein heimattal mehr als frueher, als ich noch juenger war – aber ganz bestimmte orte, die ich aufsuche, so wie gestern die gustavsburg in homburg-jaegersburg, haben nicht mehr den gleichen zauber wie frueher, sie sind langweilig geworden, schaebig, es ist neues, aber nichts besseres hinzugekommen, es fesselt nicht mehr. die orte – oder die erinnerungen an alte zeiten – gehen allmaehlich zu grunde. langweilt euch nicht, ihr leser, langweilt euch nicht. auch diese site wird sich aendern, vielleicht zu meinem nachteil. die luft ist dick & nass, ueberwaermt & beunruhigend, so ist es zur zeit, ungemuetlich, ich habe nichts zu erwarten, nur traenen & blut, zu gegebener zeit.

wer ist denn nun mein freund charlie, & was hat er mit diesem post zu tun, wird sich der eine oder andere fragen.
ich werd´s euch verraten – in diesem namen steckt die vergangenheit, meine & die meiner so genannten alten freunde. er ist synonym fuer die eigene geschichte, die im grunde ja keine ist, sondern nur bruchstueckhafte erinnerung an eine jugend, die nicht gerade rosig verlief. sie hat sich selbst zerstoert, aber eine gewisse sehnsucht ist geblieben, das kann ich nicht leugnen. es gibt einen echten „charlie“ in meinem freundeskreis, aber seine gedanken sind niemals meine gewesen, er ist der gegensatz an sich zu mir & meinem leben. nach einem freund sehne ich mich noch ein ganz klein wenig, diese momente werden immer seltener, aber sie sind noch da. eine freundschaft zwischen maennern kann was schoenes sein, ich suchte immer die aussprache, den kommentar unter vier augen, das ausschuetten der seele, sentimentaler austausch von gedanken, aengsten, traeumen – & bin bitter enttaeuscht worden. „schwamm drueber!“ kann ich noch nicht sagen, & wenn, es waere nur so dahingesagt. Mit „Charlie“ war bei den amerikanischen GI´s der Vietcong gemeint, der Feind, den es zu vernichten galt. Es sind aber auch die weniger guten „Freunde“ mit diesem Namen gemeint, & da kommen wir der alten Geschichte wieder nahe. dann kann es vorkommen, dass alles wieder hervorkocht, wie bei einem geysir im yellowstone park, dann weiss & spuere ich, dass ich doch noch nicht alt bin, & mein gespuer dafuer noch unecht ist. jesus christus, was will der typ eigentlich? wird man fragen wollen, wenn nicht schon zeilen vorher die lektuere abgebrochen wurde.
wer weiss schon, wer man ist, wer weiss schon ueber sich selber richtig bescheid? ich bewundere die dickkoepfigen, die hartschaedel, die blasierten ignoranten, sie wissen wenigstens genauestens, was richtig oder falsch ist. & koennen auch noch gut damit leben. wenn nicht so ein bloeder trottel daherkommt & einem den plan versaut.

Advertisements

Ein Kommentar zu „MEIN FREUND CHARLIE

  1. Stimmt schon. Ein jeder hält sich eben gern an was, wovon er „profitieren“ kann. Mit einem Einsamen mitzugehen, heißt Einsamkeit teilen usw. Feindschaften gibts ab einem bestimmten Alter nicht mehr, denke ich, es ist ab da vielmehr Verachtung, Hochmut, Wichtigtuerei. Echte Feinde sind so selten wie echte Freunde. Die Herrenwelt der Alpha-Affen hat keine Streitkultur. Also ehrlich: der Marabu ist mir schon immer ein interessantester Vogel gewesen, wie der Rabe. Sonderbare Gesellen wohl, aber wenn man genau hinsieht, mehr Mensch als mancher andere „Vogel“. Grüße!

Kommentare sind geschlossen.