MANCHMAL GEHT ASCHE NICHT ZU ASCHE

Was gibt es da noch zu tun, jedesmal, wenn irgendwo das vaterunser gesprochen wird, z. b. auf beerdigungen in unserer gemeinde, spreche ich bei „… & vergeben wir unseren schuldigern…“ die formelhaften worte nicht mit. Zwar bin ich auch ein schuldiger & habe bestimmt dreck am stecken – aber, weshalb solllte ich meinen feinden vergeben wollen!? & ausserdem will ich ihnen ueber den tod hinaus nicht vergeben, es gibt keinen trost, also gibt es auch keine vergebung, jedenfalls unter uns menschen nicht. Nebenbei bemerkt, das vaterunser ist ein wunderschoenes gebet mit einer universellen gueltigkeit, das ich immer geliebt habe. Doch was hat noch gueltigkeit bei einer kirche, die nur sich gelten lassen will, nicht einmal gott duerfte neben ihr bestehen, wuerde er heute in menschlicher gestalt auf die erde kommen. & feindlich gesinnten menschen waere das sicherlich auch nicht recht.

Ich b i n feindlich gesinnt, nochmals nebenbei bemerkt.

Meinen feinden verzeihe ich gemeinhin nicht, nicht mehr. „Feinde“ ist dabei eigentlich zuviel gesagt, es sind personen, die ich nicht leiden kann, weil sie …., ja, was eigentlich!? Sie moegen mich nicht, ich bemerke es, werde eine zeitlang hintergangen, werde verleumdet, werde vergiftet, mein ohnehin schlechter ruf macht mir ueberdies eh´ ueber kurz oder lang den garaus, sie ziehen ueber mich her wie vagabunden – & dann kriege ich das alles mit – & es kocht die wut in mir auf. Ist das nun mein kreislauf, den ich mir aufgebunden habe oder kommt dieser von aussen? Auf jeden fall bin ich dem machtlos ausgeliefert – denn wer traut sich schon, mir offen ins gesicht zu sagen, dass er mir am liebsten den hals umdrehen wolle, geschweige denn, die gruende fuer sein verhalten aufzeigt!? Wer mag da wem nicht verzeihen wollen? Oder zumindest verstaendnis fuer mein verhalten, sei es noch so falsch gewesen, aufbringt? O, all ihr heiligen kuehe von suedindien, ihr koennt alle nicht ermessen, wie schwierig das ist, ein wenig toleranz aufzubringen in unserem unheiligen westen! Wir schlachten die heiligen kuehe, das taten wir schon immer, weil sie es in unserer kultur bei weitem nicht sind.

& wuerden wir unsere feinde schlachten? Dann gaebe es bald keine europaeer mehr, denke ich. Aber man koennte es wenigstens versuchen.

Frieden fuer mich oder in mir, seelenfrieden, werde ich in diesem leben nicht mehr finden, es ist nicht wichtig, die welt geht davon nicht unter. Aber feinde, die werde ich immer & ueberall finden, wo ich gehe & stehe. Wir schreiten ins unendliche & wir finden erzfeinde, die uns nicht das goennen, was sie selbst nicht haben. Ich moechte hier keinen weihrauch entzuenden, in dem ich mich bade, ein gewoehnlicher buchenholzrauch genuegte, mich zu reinigen. & die finger werde ich mir dabei sicherlich verbrennen.

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