NUECHTERNE NAEHE

WER IST MIR NOCH NAHE, wer denkt an mich, an wen sollte ich taeglich denken, in gedanken bei ihm sein? Die gleichgueltigkeit hockt mir im weg, sie ist nicht zu unterschaetzen, zu uebersehen schon gar nicht, ihr sollte ich eigentlich huldigen, was ich nicht tue – Ich denke an jemanden, dem es sicher gleichgueltig ist, ob ich das tue. Diese person ist mir manchmal reichlich nahe waehrend eines jahres, aber das ist zu wenig, um wirkliche naehe zu schaffen. Selbst mir ist das zuwenig.
Die rede ist nicht von meiner freundin oder meiner schwester.

Es gab mal eine zeit, da war ich besoffen von solchen gedanken an irgendwelche faszinierende personen, sie waren sozusagen mein weltbild, das sich in meiner studierstube allmaehlich aufbaute – & durch solche, nennen wir´s ruhig „schwaermereien“, fing ich allmaehlich an zu leben – aber wo blieb die realitaet? Die blieb auch nicht aus, denn sie zeigte sich in staendigen illusionszerstoerungen & enttaeuschungen im alltag & nicht-alltag. Es waren hexen dabei im spiel, die sich freuten, mir weh zu tun, mir ihren zynismus in den kaffee zu ruehren. Ist es vorbei, frage ich!? Nein, ist es nicht. Je weniger ich wieder erlebe, desto lebendiger werden die visionen, die gebilde des halbwachen geistes, es geschieht diesmal ohne einwirkung von alkohol, zigaretten & aehnlichem, die brauche ich fast nicht mehr, um mich in meine illusionaere welt zu stuerzen.
Wahre erlebnisse sind selten geworden, aber ich bin seit einiger zeit ein fremder in meinem eigenen haus, da erlebe ich genuegend innerliches (nicht verinnerlichtes!), das mich ruhelosigkeit atmen laesst. Ich bemerke eine seltsame erwartung, ein draengendes warten auf irgendetwas, was einschneidende folgen haben koennte. Nur weiss ich nicht, was dies sein koennte. Selbst mein Tagebuch, das ich wieder seit oktober 2011 fuehre, ist voll mit verschluesselten raetseln, die ich mir selber auferlege, ohne sie je loesen zu koennen, nur im stillstand vermag ich mich auf das wesentliche zu konzentrieren.

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Ein Kommentar zu „NUECHTERNE NAEHE

  1. Jeder Literat hat die Pflicht, sein Leben, seine Zeit zu dokumentieren. In seltenen Fällen muss Literat sich dieser Pflicht nicht bewusst werden, um sie dennoch zu erfüllen. Es sind die Fälle derer, die leiden, die am eigenen Ich ertragen, was ihre Zeit bedeutet. Du gehörst gewiss dazu.

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