WIE MAN SEINE BANDKOLLEGEN UEBERZEUGEN KANN

ES IST STETS DAS gleiche, wenn man von vorneherein als das kuemmerliche schaf eingestuft wird, bleibt man es auch noch nach ueber vierzig jahren. Vor jahren haette es mich noch sehr traurig gestimmt, dies wieder einmal negativ erfahren zu muessen, waere in meiner bude hocken geblieben, bei einer flasche rotwein, haette mich besoffen & waere irgendwann eingeschlafen. Aber nun haben wir 2012, & es sind andere zeiten, ich bin aelter geworden, weiser sicher nicht, aber meine erfahrungen in 50 jahren sind dennoch was wert. Vor allem habe ich musikalisch – & darum geht es nur in diesem artikel! – dazu gelernt. Songs schreibe ich seit meinem 19. lebensjahr, sie wurden nie veroeffentlicht, kein mensch wollte sie hoeren, selbst meine allernaechsten verwandten & freunde nicht, ein weiteres raetsel auf meinem weg zum brotlosen kuenstler, doch ich schrieb & schrieb – Bis heute, & ich habe das gefuehl, dass ich immer besser werde.

Aber wo bleibt die response, das feedback?

Wir haben unsere alte band von 1970 wieder aufgemacht, wir wollten wieder musizieren, ehe das grosse daemmern kommt, wir beginnen mit jazzstandards & lieblingssongs aus der popkultur – nun ja, jazz ist auch populaere musik, was immer man darunter verstehen soll, aber die standards aus dem „American Songbook“ gehoeren einfach dazu. Die lieder sind relativ leicht zu lernen, weil sie so eingaengig sind, alle drei musiker lieben die melodioesen sachen, auch die popsongs, nichts dagegen zu sagen – aber ich wollte nie wieder eine cover-band aufziehen, ich bin einfach schon ein gehoeriges stueckchen weitergekommen. & stehenbleiben will ich auf gar keinen fall. Aber auch hier lerne ich dazu, in jeder probe, die stattfindet, meistens macht es mir riesigen spass, an den stuecken zu arbeiten, zu feilen, bis die kleinste nuance sitzt & wir damit zufrieden sein koennen. Wir spielen die bekannten stuecke nicht ton fuer ton nach, wie die meisten cover-bands, wir interpretieren gleich, bei den meisten jedenfalls, das ist spannend & aufregend, selbst fuer mich frustrierten musiker & schreiberling, der ich nun mal bin & bleiben werde, bis ans ende meiner tage – nur: wo ist die anerkennung, da wird mir bescheinigt, dass ich wohl der musikalischste von uns dreien bin, was ich als uebertrieben auffasse, andererseits bin ich „nur“ der basszupfer, der, so woertlich, „… nur ein paar toene spielt, wenn wir uns mit den akkorden abquaelen muessen.“

Was passiert denn, wenn ich ihnen meine eigenen songs antrage? Das desinteresse flammt unverbluemt auf, gewissermasse aus dem nichts heraus, es wird kommentarlos weggehoert & kommentarlos uebergegangen zu ihren vorschlaegen, als haette es mich ueberhaupt nicht gegeben – eine schoene situation, kann ich da nur sagen. Viele meine bekannten & freunde sagten mir schon in den siebziger jahren, dass ich die falschen bandmusiker haette, ich solle doch eine eigene band gruenden – Was haette das fuer neidische bemerkungen & reaktionen gegeben, & das auch noch von denselben leuten, die mir damals dazu rieten!
`It´s hard to be a saint in the city`, der alte song von bruce springsteen trifft wohl zu auf diese damalige situation. Ich hatte keine chance, denn ich hatte keinerlei publikum, das meine lieder anhoeren wollte, nur ein paar typen, aber selbst die trauten mir songwriting nicht richtig zu. Eine zwickmuehle, die stark an mir zehrte, das kann ich heute laut sagen. Mit einem studienkollegen, der selber musik machte, tanzmusik!, nahm ich acht meiner selbstgeschriebenen songs auf, er half mir dabei & unterstuetzte mich an der gitarre, aber das war´s dann auch – wer sollte sie hoeren wollen!?, wenn man mit dieser einstellung losgeht & aufnimmt, der ist verloren. Ich schrieb dann fast zehn jahre keine lieder mehr, nur noch gedichte & geschichten – bis auf einmal wieder der knoten platzte, 1992, spaeter wieder & wieder. Die sachen mussten einfach raus aus mir, sonst waere ich womoeglich meschugge geworden – & heutzutage werde ich womoeglich meschugge, weil ich wieder & wieder ignoriert werde von den musikerkollegen ……
Ich weiss, es ist schwierig, eine eigenkomposition in einer band oder alleine zu realisieren, es gehoert viel, viel arbeit & genauigkeit dazu, einen song fertigzustellen. & was noch viel wichtiger ist: es gehoert bereitwilligkeit dazu, an einen eigenen song heranzugehen. Darin liegt wahrscheinlich die groesste schwierigkeit. Ich habe immer wieder diese erfahrung machen muessen. Einen song abzuhoeren & nachzuspielen ist verhaeltnismaessig einfach, das habe ich schon sehr oft beobachten koennen – Waere es nicht moeglich, selbstverfasste lieder als die groesste herausforderung an sich selber & an seinen musikerkollegen zu sehen?! Wenn heute einer meiner band-kollegen mit einem eigenen lied oder einer melodie ankaeme, ich wuerde sie sofort mit ihm durchgehen & daran arbeiten, vorausgesetzt, die melodie & der text gefielen mir. Weshalb ist dies umgekehrt nicht moeglich?

Da bin ich wieder am anfang angelangt – interesselosigkeit, vorurteile, sie verhindern, dass etwas kreatives entsteht.

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