VERWUNDET IN DER SEELE

EIGENTLICH ISSES DOCH scheissegal wie man lebt, sein dasein fristet, hauptsache, man ist gesund & es geht einem gut, & darueberhinaus seiner familie – eigentlich …… hier in deutschland werden wir so schnell keinen krieg mehr erleben, ich auf keinen fall, & viele andere mit mir, die wir ueber fuenfzig sind. Ein troestlicher gedanke, finde ich. & warum in aller welt bin ich dann so niedergeschlagen & traue mich kaum noch aus dem haus zu gehen? Warum kotzt mich jeder neue morgen an, beim schoensten sonnenschein oder beim dicksten nebel? Warum koennte ich auf meine nachbarin sch……, bis ihr braunes herz zugeschuettet ist? Ich kann keine spaziergaenge mehr machen ohne an diese sinnlose bewegung dabei zu denken, meine nacht ist schwarz & mein tagesablauf bunt gefaerbt wie eier an ostern, trotzdem ist mir beides zuwider – Beides! Meine freude von frueher hat sich verjuengt, sie ist ein noch frischer, junger kieselstein, der erst noch gerundet wird vom wasser & von der zeit.

Ich hoffe, diese metapher ist nicht allzu schief geraten.

Meine seele, manchmal glaube ich, dass ich eine habe, meine seele ist so ein stein geworden, der auf seine endgueltige form wartet. & die laesst auf sich warten, auf sich warten, auf sich warten. Mein ganzes verdammtes leben habe ich so gewartet, unnuetz vertan, hoelzchen gespitzt & den maedchen aufn po geschaut. Gibt es nichts anderes mehr fuer mich? Vor jahren noch habe ich mich alleine zuhause betrunken an rotwein, an gutem, altem, teuren wein, dann kamen die geister von frueher, die guten wie die boesen, aber mit ein bisschen alk im blut war das alles recht gut zu bewaeltigen. Dann war ich tapfer & konnte mich ueber viel mehr freuen, als mir manchmal guttat.
Ich trauere dieser zeit nicht nach, doch haben mir diese rauschzustaende wenigstens noch ein bisschen spass machen koennen.

Doch ein gutes hat diese verwundete gegenwart: obwohl meine sehkraft allmaehlich nachlaesst, hat sich mein inneres auge gebessert, fuer die dinge & geschehnisse um mich herum entwickelte ich einen neuen sinn, der keinen forscherdrang erfordert, sondern nur musse. Ich betrachte ein gesicht wie eine strasse & die strasse, den asphalt wie ein gemaelde, das nach rom fuehrt. Leider sind die gesichter von menschen auf der strasse leer & ausdruckslos – & der asphalt laechelt auch nicht zurueck. Auf diese art wird meine gegenwart nicht heilen koennen, fuerchte ich.

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3 Kommentare zu „VERWUNDET IN DER SEELE

  1. Sehr deutlich geschrieben … schade, das Dir die Freude am Leben abhanden gekommen ist. Ich wünsche Dir heute eine lächelnde Straße, die den Sonnenschein spiegelt und Gesichter, die nicht dem schwarzen Asphalt gleichen, sondern der Kraft von Feuer und Wasser. Möge Rom Dir ein Stück näher kommen.

    1. Danke, liebes „bilderbuch“ – ich merke an deiner anteilnahme, dass ich da einen leisen hilferuf ausgesandt habe, in die schoene virtu-welt. im ernst, ich habe solcherart wuensche verdammt noetig.

      1. Das kann man auch Deinem neuen Text entnehmen, halt den Kopf oben, auch wenn die Sonne heute noch nicht scheint. Deine Worte gefallen, Deine Gedankenwelt ist tief, manchmal zu tief … Kopf hoch.

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