Noemi Schroeder in der Orangerie Blieskastel, 29. Maerz 2012

Das „Caveau chanson“, die konzertreihe der blieskasteler kulturschaffenden, entwickelt sich mehr & mehr zu einem publiklumsmagneten, oder ist es nur meine einbildung, weil ich das vorhergehende konzert im februar versaeumt habe!? Ich gebe zum wiederholten male zu, dass ich ein wenig „schloesschenkeller-muede“ bin, weil die chanson-abende dort doch nicht so recht in mein verwoehntes, zugegeben, amerikanisch ausgerichtetes musikantenbild passen wollen, vielleicht macht aber gerade dieses die besonderheit aus, welche ein solcher abend an franzoesischen & deutschen chansons bietet.

Noemi Schroeder & ein pianist, dessen namen ich nicht mehr weiss, sind „Petit Sourire“, ihr auftritt ist programm, es heisst „begegnungen“ & berichtet von einer jungen frau namens Claire, die nach Paris geht, um dort ihr glueck & ihre freiheit zu finden. & die lieder umrahmen diese kleinen geschichtchen, bekannte lieder, z. b. „Ich bin von kopf bis fuss auf liebe eingestellt“, jaja, die gute, alte marlene dietrich, sie hat ja auch mit paris recht viel zu tun gehabt, des weiteren singt sie, noemi schroeder, gleich zu anfang „Paris seveille“ & „Oh, Champs Elysees“, zwar reichlich bekannt, aber ……

Dieser einwurf meinerseits ist es, der den eigentlichen „geist“ dieses abends ausmacht, der mir diese musik bis zum naechsten morgen im gedaechtnis haften laesst, dass ich selbst mit den pianoklaengen morgens im kopf wach werde. Ist mir noch nie zuvor so intensiv passiert. Meine besagte „muedigkeit“ war wie weggeblasen, auch, weil dieses konzert nicht wie angegeben, im schloesschenkeller, sondern in der altehrwuerdigen „Orangerie“, dem einzigen uebriggebliebenen bau des alten schlosses der von-der-leyen-grafen, stattfand.
& der bordeaux-wein schmeckte hervorragend, ich konnte dem nicht widerstehen. Das witzige bei diesem konzert in der orangerie war das ambiente, zur zeit findet dort eine ausstellung ueber die auswirkungen der franzoesischen revolution in blieskastel 1793/94 statt – das passte wirklich, kann ich nur sagen. Es fehlte nur noch die gilloutine, aber das nur nebenbei.

Die musik & die lieder, nicht zuletzt die persoenlichkeit noemi schroeders verzauberten nicht nur mich im publikum, sie gab am schluss fuenf zugaben zum besten, & das meine ich auch so. die lieder waren zwar bekannt, aber wie gesagt, die musik hatte schon ganz frueh eine wirklich besondere atmosphaere geschaffen, von der man schlecht wegkam, wozu auch, sie weckte wieder die freude an diesen alten liedern, die wahrlich unverwuestlich sind. Melodieselig ist das franzoesische chanson, allein schon durch die melodioese franzoesische sprache – ich verstehe zwar wenig von den franzoesischen texten, doch noemi schroeder lässt die uebersetzungen ins deutsche geschickt in ihre geschichten einfliessen – ein angenehmer umstand, wie ich finde.

Bleibt zu hoffen, dass die beiden musiker mal wieder nach blieskastel kommen, solch einen gelungenen chansonabend habe ich mir schon lange gewuenscht. Mein altmodisches herzchen schlug hoeher & hoeher beim wiedererkennen so mancher melodien wie „La mer“ oder „Autumn Leaves/Les feuilles mortes“, & es ueberraschte mich immer wieder, wie zeitlos diese lieder sind.

Oder lag es an der darbietung der bezaubernden noemi!?

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