Saarlaender sind ueberall

Mainz-Kostheim, ein stadtteil von wiesbaden ist ein recht annehmliches staedtchen – auch fuer die beiden saarlaendischen musiker louie & philipp, die zum allerersten mal hier bei ihrem saenger in seiner wohnung, einem schmucken haeuschen aus den zwanziger jahren, musizieren wollen.
& die ehefrau ist diskret & zieht sich zurueck, scheinbar bescheiden, so, wie es l´s & meine frau tun, wenn wir im saarlaendischen blieskastel proben, mir tut´s ein bisschen weh in der magengrube, wenn sie gehen, uns alleine lassen. Aber wir jungs wollen spielen – & wie!
charlie ist bereits in urlaub gefahren, wir musizieren ohne cajon, aber dafuer mit etlichen shakern in allen variationen, hans benutzt sie ausgiebig. Sie klingen scharf & deutlich durch, vermitteln uns ein klein wenig rhythmus, den wir sehr noetig haben, louie & ich. Meinen bass habe ich zuhause gelassen. Ich bin nicht traurig deswegen, unterwegs erzaehlte mir louie, eine beschwerde haette er sich am gestrigen abend anhoeren muessen – eine frau aus meiner nachbarschaft hat sich bei ihm beschwert, sie haette an jenem samstagnachmittag ein referat schreiben muessen & fuehlte sich gestoert durch unsere musik, sogar durch das geschlossene fenster, sie musste dann in einen anderen raum gehen, um sich besser konzentrieren zu koennen. hauptsaechlich durch meinen BASS, weil der als einziges instrument elektrisch ist, sein muss, wenn wir proben. & ich verstand seinen vorwurf nur allzu genau & deutlich, als er sagte, er & hans haetten mich mehrmals ermahnt, meinen bass leiser zu stellen. Sie haben mir sogar eigenhaendig den bass abgedreht. Aber daran kann ich mich ueberhaupt nicht erinnern. Es war ein offener vorwurf, an mich persoenlich gerichtet.
er sagte noch etwas zur mir, spaeter, auf dem heimweg – wir nahmen diese geschichte noch einmal auf, er meinte, man sollte in allen situationen mit menschen cool bleiben, immer nur ganz cool bleiben. Ich haette der tante, wuerde ich sie auf der strasse treffen, liebend gerne meine meinung gegeigt, respektive ge-basst. Aber wenn´s drauf ankommt, werde ich doch nur schweigend darueber hinwegsehen, kleinmuetig, wie ich nun mal bin. Die frau ist uebrigens eine lehrerin, ihr mann ist ebenfalls lehrer. Ich habe diese tante im verdacht, dass sie von meiner „lieben“ nachbarin, nur ein katzensprung entfernt, aufgehetzt wird, um mir zu schaden. Diese dame ist bei mir hoechstpersoenlich beruechtigt, solche sachen in der vergangenheit regelmaessig vollbracht zu haben. Aber das ist wiederum eine andere geschichte.

Leider ist es bei mir folgendermassen: ich kann mich ueberaus cool geben, & meine ironische sprechweise ist allenthalben beruehmt-beruechtigt (worte koennen manchmal toeten!), aber dann, im stillen kaemmerlein, so ueber nacht noch, da kommen die schlechten gedanken, & jedesmal stellt sich das gefuehl des verlassenseins oder verlassenwerdens bei mir ein. & ich habe mir vor louie die bloesse erlaubt, mich gehen zu lassen, ich habe – ganz kurz nur – meine ganze wut auf diese menschen herausgeschrien. Es aendert sich wirklich nichts in den koepfen, jeder braucht seine ureigensten schuldzuweisungen, die er anderen an den kopf werfen kann, damit seine welt wieder in ordnung ist. Ich wusste schon vor vierzig jahren, warum ich diese spiesser bis auf die knochen hasste!!!!! Es hat sich zwischenzeitlich kein einziges quentchen geaendert, die personen sind vielleicht andere, aber ansonsten, alles beim alten.
nun, meine zweifel wachsen, ich werde nicht ganz schlau aus meinen kumpels, weiss auch nicht, wie´s mit mir weitergeht in der band new yggdrasil, sie blocken ab, verwerfen das gesagte, obwohl sie sich vorher alle einverstanden erklaerten zu einer entscheidung oder einem vorschlag – es geht zu wie im ….. nun ja, kindergarten. Ich selbst moechte mich da nicht ausschliessen, ich bin sehr empfindlich, geradezu mimosenhaft – aber dennoch haette ich gerne, dass meine kumpels allesamt zu mir halten, wenn´s irgendwie geht.

& wenn´s nicht geht!?

Wir spielten sehr diszipliniert, wenn man davon absieht, dass es drueckend heiss in hans´ wohnzimmer war, wir improvisierten mit gesang, hans & ich, ueber einer schluesselzeile von „The Fool On The Hill“ der Beatles – ich war sehr froh, dass wir ueberhaupt zum ersten mal seit langer zeit wieder einmal improvisierten. Das laesst mich hoffen.

Trotzdem spielt sich in meinem kopf was ganz anderes ab. Es hat mit traurigkeit zu tun. Nix neues, wie ich finde. Aber sie ist nun einmal da, seit vielen monaten, eigentlich seit letzten februar, als ich mich aergerte ueber ein paar aeusserungen von hans, die mit meiner person zu tun hatten. Die luft ist raus bei mir. Das heisst, ich bin nicht mehr euphorisch, wenn ich am naechsten tag die aufnahmen abhoere, die ich gemacht habe. Mein optimismus in die band hat gelitten. Ich weiss nicht, woran es liegen mag. Mache ich mir wieder zuviele gedanken? Aber ich kriege diese gedanken einfach nicht los. Zum beispiel: der sommerauftritt im august faellt ganz sicher ins wasser, weil die herren in urlaub sind, unsere naechste probe findet voraussichtlich erst am 18. August statt. Das ist nach meiner meinung eine viel zu grosse zeitspanne. Ich kann sie muehelos musikalisch ueberbruecken, aber ich moechte in einer band spielen & nicht immer davon traeumen, in einer zu spielen. Meine texte stapeln sich schier ins unendliche, ich kann sie kaum verarbeiten, dazu benoetige ich den rat & die mithilfe von meinen mitmusikern, die sich aber stets gerne verweigern, bis hin zur selbstverleugnung. Das verstehe ich einerseits nicht, andererseits sage ich mir, was soll´s denn, suche ich mir eben andere musiker, die experimentierfreudiger sind als die jetzigen, & solche, die vor spielwut nur so platzen, die auftreten wollen, auch fuer wenig geld, nur, um auf der buehne stehen zu koennen.
es ist eine grosse traurigkeit in mir.

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