IM JAMMERTAL FEHLTS AN LICHT – oder: die zytglogge schlaget zu –

Neuesten nachrichten zufolge gehoere ich zu einer aussterbenden spezies – den hartzern. Wir werden immer weniger, das las ich heute im internet. Sind wir jetzt bloss noch hartz iii oder hartz ii?????
sinkt unsere lebenserwartung so rasch, dass nun viele lieber wegsterben als im elend zu verrecken? Es waere bei der ernaehrungsweise nicht weiter verwunderlich, es gab schliesslich in deutschland schon einmal ein projekt „vernichtung durch arbeit“ hiess es zwar, aber das neue projekt koennte man auch als „vernichtung durch junkfood“ betiteln. Durch arbeit kann die zahl der hartzer ja nicht zurueckgegangen sein, oder taeusche ich mich da??

Ich jedenfalls trage mein los mit fassung, bleibe aber weiter fassungslos in diesem jammertal am boden haften. So, wie man es von mir verlangt hat, als ich 2005 in den genuss meines sozialen abstiegs kam. Vorher gabs noch hoffnung, dann aber schlich sich die alte luegnerin klammheimlich fort, seitdem kommt niemand mehr freundschaftlich zu mir, sollen sie ruhig wegbleiben, ich kann niemandem mehr etwas bieten. Nicht einmal mehr mir selber. Seltsamerweise habe ich heute vor heiterkeit keinerlei gewissensbisse, mir geht es praechtig, ich habe gut gefruehstueckt, einfach zu mittag gegessen – & den restlichen tag werde ich auch noch irgendwie hinter mich bringen. Immer ein kleines stueckchen naeher zu meinem ende hin. Heute wurde ich schon mehrmals beleidigt, aber noch nicht gedemuetigt, das ist sehr wichtig fuer einen hartzer wie mich, da verliere ich naemlich meinen humor, wenn ich im dreck liegend auch noch angepisst werde.

& es reicht. Es reicht ganz & gar, so leben zu muessen, es ist eine einsamkeit, die einen verrueckt werden lassen kann. Wenn man wie ich noch halbwegs gefuehlsbetont lebt, ist es wahrscheinlich die hoelle. Die alkoholsaeufer unter den hartzern koennen sich wenigstens diese gedanken an den abgrund wegsaufen – mir bleibt lediglich der sprung in die klaergrube, dass es nur so spritzt. Aber niemand wird durch diese scheisse bekleckert, es wagt sich ja keiner in meine naehe.

Schoen leben ist anders.

Schoen saufen ist gut, wenn´s so sein soll, warum nicht …!? Schoen tun kann ich nicht leiden – schoenreden schon gar nicht. Es gibt keinen trost. Lassen wir uns aussterben, es kommt, wie es kommen soll. Der neue mensch wartet schon, draussen vor der tuer. Er war nicht bei der tafel, er kommt auch nicht aus dem supermarkt, nein, als millionaer braucht er nicht einzukaufen. Das besorgen fuer ihn seine dienstboten. Er hat stets seine eigene waehrung bei sich, die da lautet: „gebt den reichen, was den reichen ist, die armen landen eh´ aufm mist.“

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Ein Kommentar zu „IM JAMMERTAL FEHLTS AN LICHT – oder: die zytglogge schlaget zu –

  1. Hartzer die aussterbende Spezies? Das ist eine glatte Fehlmeldung, lächerlich. So schnell geht die Evolution nicht – jedenfalls nicht, solange es Hartz gibt. Selbstverständlich werden sie im Zuge der Gleichschaltung aller Länder Europas irgendwann bald auch die Sozialsysteme angleichen… Wo ist in Europa der normative Durchschnitt? Irgendwo zwischen Griechenlands sozialem Niveau und dem bei uns? Vielleicht. Dennoch ist und bleibt es widersinnig, dass im absatz- und konsumorientiertem Marktkapitalismus Not herrscht. Ein Relikt aus preußischen Militärdiktaturen, trotz Überfülle jemanden auf Wasser und Brot zu setzen. Und heute? Soll doch einer mal ausrechnen, was der Hartzer tatsächlich an Geld „verbraucht“ und wieviel an Miete und Steuern zurückfließt zu den Quellen oder direkt Andern nützt. Darauf könnte ein Staat eigentlich nie verzichten, zumal es der Unproduktiven, also der Händler, Angestellten, Dienstleister usw. auch mehr als genug gibt. Diese mehren den Reichtum auch nicht sonderlich, das tun nur Produzenten. Sie halten bloß das Geld im Umlauf und konsumieren. Den Binnenmark durch künstliche Armut zu schwächen, und zwar aus „moralischen“ Gründen wie „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen“, ist vollkommen blöd- und widersinnig. Also nur keine Angst, die Bedürftigen sterben nicht aus. Man sieht sie nur nicht dort, wohin man sie getrieben hat: denn die einen stehn im Dunkeln und die andern stehn im Licht… Leuchten sind es nicht,

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