Das TABU hat mich wieder

gutes altes tagebuch – tabu auf kurzdeutsch – seit sechsundvierzig jahren, mit wenigen Unterbrechungen, schreibe ich darin. banales, verbotenes, geheimnisvolles, lyrisches, idiotisches. seit vorigem November schreibe ich wieder regelmässig, es macht riesigen spass, es erspart mir einen psychiater, und den gang zu ihm/ihr. ansonsten habe ich keinen gesprächspartner mehr, der mir zuhören will, das ist manches mal schädlich für mich, aber nicht zu ändern. ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. viele seiten papier und wunderschönes schreibzeug, herz, was willst du mehr!? niemand wird es je zu gesicht bekommen, weil sich niemand dafür interessiert. mir ist es inzwischen recht, auch meine autobiografie habe ich aufgegeben – niemand wird sie lesen. mein dasein ist nicht attraktiv genug, genau wie der ganze kerl. irgendetwas stimmt mit mir nicht, ich komme nicht dahinter, was es sein könnte.
also lasse ich es los.
in meinem alter kann man ruhigen gewissens loslassen, es ist sogar notwendig. trauer kommt nicht auf, obwohl manches schmerzlich ist, was fast einem grossen verlust nachkommt. vielleicht mag die persönlich ausgereifte melancholie, derer ich mich „rühme“, daran schuld sein, dass ich ein wenig  traurig bin, was derzeit passiert – doch ist nicht hoffnung im dunkeln zu finden und licht in der abgedunkelsten ecke meiner seele, wenn es keinen Ausweg mehr geben sollte!?

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